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Wirtschaftsingenieurwesen (kurz: WIW) ist eine interdisziplinäre Wirtschafts-, Rechts- und Ingenieurwissenschaft, die ein entsprechendes, interdisziplinäres Studium an einer Hochschule voraussetzt. Wissenschaft
Viele Merkmale des Wirtschaftsingenieurwesens leiten sich von seiner ursprünglichen Herkunft als Schnittstellendisziplin ab. Im Laufe vieler Jahre hat das Wirtschaftsingenieurwesen jedoch eigene, wissenschaftliche Aussagebereiche entwickelt. Das Wirtschaftsingenieurwesen befasst sich mit Theorien, Methoden, Werkzeugen und intersubjektiv nachprüfbaren Erkenntnissen und Zusammenhängen zwischen verschiedenen wirtschafts-, ingenieur- und rechtswissenschaftlichen Disziplinen. Inhalt des Wirtschaftsingenieurwesen sind also interdisziplinäre und damit oft sehr komplexe Systeme, deren Entwicklung, Realisierung, Implementierung und Optimierung, sowie der tatsächliche Betrieb solcher Systeme unter Einhaltung rechtlicher Anforderungen und Vorschriften (z. B. SOX Compliant), wobei diese Systeme im Gegensatz zur einzelnen Disziplin nicht als rein wirtschaftliche oder rein technische Systeme betrachtet werden. Viel mehr modelliert und gestaltet das Wirtschaftsingenieurwesen unter ökonomischen wie rechtlichen Gesichtspunkten und unter Verwendung der Methoden der Systemtheorie, Statistik, des Operations Research, etc. reale, wirtschaftlich-technische Systeme und leitet aus entsprechenden Modellen Anforderungen für Produktions-, Fertigungs-, Vermarktungs- und Informationssysteme zur Implementierung in existierende oder neue, reale Systeme ab. Das Wirtschaftsingenieurwesen ist damit primär Realwissenschaft, besitzt aber auch Elemente einer Strukturwissenschaft. Von seiner Bedeutung wird das Wirtschaftsingenieurwesen heute als Interdisziplinäre Wissenschaft mit gleichermaßen ingenieurwissenschaftlichen wie wirtschaftswissenschaftlichen Komponenten betrachtet. Als Wissenschaft ist das Wirtschaftsingenieurwesen somit ansatzweise mit Architektur oder Wirtschaftsinformatik vergleichbar. Eine bedeutende Rolle im Wirtschaftsingenieurwesen spielt die Gewinnung und Analyse ökonomischer Daten und Informationen sowie das erforderliche Wissensmanagement im Realsystem Unternehmen. Wirtschaftsingenieurwesen hat sich als eigenständiger, wissenschaftlicher Studiengang sowie als Aufbaustudium an privaten und öffentlichen Hochschulen, wie auch als eigenes, wissenschaftliches Fachgebiet an privaten und öffentlichen Forschungsinstituten fest etabliert. GeschichteVerschiedene Universitäten boten diese Studienrichtung bereits im späten 19. Jh. an. In den USA wurde dieses Studium erstmals 1908 eingeführt.[1] 1926 führte, als erste deutsche Universität, die damalige Technische Hochschule Berlin den Studiengang ein.[2] Der Studiengang wurde damals noch als „Wirtschaft und Technik“ bezeichnet und wurde schlecht angenommen. Bis Ende der 60er Jahre wurde dieses Studium von relativ wenigen Hochschulen (z. B. Berlin, Karlsruhe, Darmstadt, Hamburg und Kaiserslautern) angeboten.[3] Heute wird diese Studienrichtung von vielen verschiedenen Hochschulen angeboten. StudiumDas Studium des Wirtschaftsingenieurwesen kombiniert die Wirtschaftswissenschaften Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre mit Rechtswissenschaften und einer oder mehreren Ingenieurwissenschaften in einem eigenen, interdisziplinären, wissenschaftlichen Studium. Laut einer Erhebung des Focus, die in der Ausgabe 01/2007 vom 30. Dezember 2006 veröffentlicht wurde liegt der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen derzeit auf Rang 9 der Beliebtheitsskala aller Studiengänge in Deutschland. (Quelle: Statistisches Bundesamt)
StudienmöglichkeitenIn Deutschland wird das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens bundesweit an den unterschiedlichsten Fachhochschulen, Universitäten und technischen Universitäten angeboten. Auch an Berufsakademien wird eine Ausbildung in dieser Richtung angeboten. Ähnliche Studienmöglichkeiten im deutschsprachigen Raum findet man auch in Österreich und der Schweiz. Auch im europäischen und nicht europäischen Ausland existieren teilweise entsprechende Studienmöglichkeiten. Liste der StudienorteEine umfangreiche Liste nationaler wie auch internationaler Studienorte findet sich hier: WIW Studienorte. StudiengangDer interdisziplinäre Studiengang des Wirtschaftsingenieurwesens verbindet mathematisch-naturwissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche (betriebs- und volkswirtschaftliche), juristische sowie ingenieurwissenschaftliche (technische) Disziplinen miteinander und bereitet damit auf den späteren Beruf des Wirtschaftsingenieurs vor. Die angebotenen Studiengänge können sich je nach Land und Hochschule sehr stark voneinander unterscheiden, je nachdem welche Forschungsaktivitäten, Professoren, Fachbereiche oder universitäts- bzw. hochschulbezogene Schwerpunkte Einfluss auf den Studiengang haben oder hatten. Da im Grundstudium aber eine vorwiegend generalistische Ausbildung üblich ist, wirken sich die genannten Unterschiede vor allem im anschließenden Hauptstudium aus. Dies kann u.U die Objektivität des folgenden Themenüberblicks beschränken. Studien- und SpezialisierungsrichtungenIm Regelfall wählt der Student an den meisten Hochschulen zusätzlich zum wirtschaftswissenschaftlich-juristischen Grundstudium zu Beginn seines Studiums eine bestimmte, technische Studien- oder auch Fachrichtung, die vor allem die ingenieurwissenschaftliche Spezialisierungsrichtung bestimmt. Der Student kann aus einem begrenzten Angebot technischer Spezialisierungsrichtungen wie z. B. Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Informationstechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Elektrotechnik wählen. Eine weitere Spezialisierung auf ein oder mehrere ingenieurwissenschaftliche oder auch wirtschaftswissenschaftliche Themengebiete findet dann später zu Beginn des Hauptstudiums statt. Eine Besonderheit hierbei stellt die Universität Karlsruhe dar, da es dort als einzige Hochschule in Deutschland seit der Prüfungsordnung von 2001 keine Spezialisierungsrichtungen mehr gibt. Studierende des Wirtschaftsingenieurwesens besuchen dort im Grundstudium Vorlesungen aus allen ingenieurwissenschaftlichen Richtungen und können auch im Hauptstudium unter Beachtung gewisser Regeln alle Vorlesungen aus dem Angebot der Universität hören. Dadurch wird eine sehr individuelle Anpassung des Studiums an die persönlichen Interessen möglich. Liste der Studien- und SpezialisierungsrichtungenEine umfangreiche Liste verschiedener, möglichen Studien- bzw. Spezialisierungsrichtungen im Hauptstudium findet man in der Rubrik Studienrichtungen des Portals Wirtschaftsingenieurwesen. StudienartenSimultanstudiumBeim Simultanstudium, dem Regelfall, sind während der gesamten Studiendauer sowohl ökonomisch-rechtswissenschaftliche als auch technisch-naturwissenschaftliche Fächer im Stundenplan verankert. Zusätzlich existieren Veranstaltungen, die speziell auf die Interdisziplinarität von Wirtschaft und Technik eingehen. Das Wirtschaftsingenieurwesen umfasst vorwiegend die Kernfächer des betriebswirtschaftlichen und des jeweiligen Ingenieurstudiums, hingegen wird auf einige Randdisziplinen, welche reine Betriebswirte oder Ingenieure belegen müssen teilweise verzichtet. Inhaltlich deckt das Wirtschaftsingenieurstudium jeweils ca. 70 % des Normalstudium der beiden Fachrichtungen ab, woraus sich in Summe ein höherer Studienaufwand gegenüber dem der Einzeldisziplin ergibt, der sich auf die Credit Points entsprechend auswirkt. AufbaustudiumAbsolventen von technischen Studiengängen bietet ein Aufbaustudium die Möglichkeit, die ökonomisch-rechtswissenschaftlichen Anteile „nachzuholen“. Die Fernhochschule Hamburg bietet seit 2006 auch einen Aufbaustudiengang für Wirtschaftswissenschaftler. GrundstudiumIm Grundstudium sollen technische und wirtschaftliche Grundlagen vermittelt werden. Da sich die Studieninhalte des Grundstudiums aufgrund der Interdisziplinarität stark mit den Inhalten anderer wirtschafts- und ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge überschneiden, besuchen Studenten des Wirtschaftsingenieurwesens oft zeitweise die selben Vorlesungen wie z. B. Studenten der Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaftslehre, des Maschinenbaus, Bauingenieurwesens oder der Elektrotechnik. Das Interdisziplinäre Grundstudium macht den Besuch vieler, unterschiedlicher Veranstaltungen mit entsprechend unterschiedlichen Lehrinhalten von unterschiedlichen Fachbereichen erforderlich. Was sich zunächst harmlos lesen mag, zeigt sich bei näherer Betrachtung oft als die Achillesferse, über die so mancher Student während dieses Studiums stolpert, denn der tatsächliche Zeitaufwand liegt derzeit (in Deutschland) weit über der Höchstgrenze des ECTS, d. h. erheblich über 30 Leistungspunkten (LPs) pro Semester. Der Hauptgrund hierfür liegt darin, dass in den ersten vier Semestern des Grundstudiums kaum Inhalte wiederholt werden, weil i. d. R. immer nur eine Veranstaltung einer Art bzw. eines Themengebiets besucht werden kann. Man wird also während des gesamten Grundstudiums in jedem Semester bei jeder Veranstaltung mit völlig neuem Lehrstoff konfrontiert, dessen Verständnis man sich nach den Vorlesungen im Selbststudium weiter erarbeiten muss. Hieraus lassen sich zusätzliche Anforderungen an die Studierenden ableiten, wie beispielsweise die Fähigkeit schnell Wissen aufzunehmen, autodidaktisch zu lernen, Wissen ohne viel Vorkenntnisse zu intensivieren, … Zumindest während des Grundstudiums gilt daher der Spruch: „Wer WIW studiert muss doppelt studieren!“ und um das Studienziel zu erreichen von Anfang an „Richtig Lernen, lernen!“. FremdsprachenNeben den gewöhnlichen Fremdsprachenkenntnissen, die Voraussetzung zum Studium sind, können während des Grundstudiums spezielle Vorlesungen zum technischen Englisch, Wirtschaftsenglisch oder auch Business English und u. U. auch weitere Fremdsprachen besucht werden. Die Vorlesungen im Grundstudium variieren auch hier je nach Hochschule und technischer Fachrichtung. Im Hauptstudium können die Kenntnisse der Fremdsprachen oft noch durch zusätzliche Vorlesungen weiter ausgebaut werden. Oftmals werden auch Vorlesungen nur in englischer Sprache angeboten, so dass das Fachvokabular direkt angewendet werden kann. Wirtschaftswissenschaftlicher TeilIm wirtschaftswissenschaftlichen Grundstudium sind üblicherweise folgende Vorlesungen zu besuchen:
Juristischer TeilGelehrt werden im allgemeinen juristische Inhalte des Wirtschafts- als auch des Privatrechts.
Naturwissenschaftlich-technischer TeilIm naturwissenschaftlich-technischen Grundstudium sind neben verschiedenen technischen und physikalischen Praktika üblicherweise folgende Vorlesungen zu besuchen: Allgemeiner, naturwissenschafticher Teil
Im Grundstudium wird zum Teil auf die Spezialisierung in Richtung der technischen Fachrichtung verzichtet. Stattdessen werden den Studenten unabhängig von deren späteren Fachrichtung die Grundlagen der wesentlichen, ingenieurwissenschaftlichen Gebiete vermittelt. Technischer Teil
Abschluss des GrundstudiumsZur Beendigung des Grundstudiums muss eine Zwischenprüfung wie z. B. eine Diplom-Vorprüfung oder eine ähnliche geartete Prüfung in verschiedenen wirtschaftswissenschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Teilgebieten erfolgreich abgelegt werden. Teilweise können die Leistungen auch durch sogenannte Scheine erbracht werden. Dabei muss man zwischen zwei Möglichkeiten unterscheiden:
HauptstudiumIm Hauptstudium findet dann eine Vertiefung im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich, sowie eine weitere Spezialisierung auf eines oder mehrere, ingenieurwissenschaftliche Themen in Richtung der technischen Fachrichtung statt.
WirtschaftswissenschaftenHinzu kommen weitere Studieninhalte wie z. B.
MarktsystemtheorieEine Einmaligkeit im Hauptstudium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Technischen Universität Ilmenau ist das Fach Marktsystemtheorie, das Ansätze der Systemtheorie auf wirtschaftswissenschaftlich relevante Märkte überträgt und zu dessen Verständnis das Wissen aus den Vorlesungen der Volkswirtschaftslehre von Vorteil ist.[4] Inhalte der Vorlesung Marktsystemtheorie, die ein Fachgebiet der Wirtschaftstheorie darstellt, sind:
Ingenieurwissenschaften
Weitere Studien- bzw. Spezialisierungsrichtungen im Hauptstudium findet man hier: WIW Studienrichtungen. Abschluss des StudiumsZum Abschluss des Studiums ist eine erfolgreich abgelegte Diplom-Abschlussprüfung (oder ähnliche) erforderlich, die oft in mehrere Teilprüfungen für die verschiedenen wirtschafts-, ingenieur- und rechtswissenschaftlichen Studienfächer unterteilt wird und sich je nach Hochschule über mehrere Semester hinziehen kann. Am Ende des Studiums muss dann noch eine interdisziplinäre Diplomarbeit oder eine andere, dem Studienziel entsprechende, interdisziplinäre Abschlussarbeit (z. B. Masterarbeit, o. Ä.) verfasst und erfolgreich verteidigt werden.
Länderspezifische AbschlüsseWeitere Informationen zu länderspezifischen Studienabschlüssen findet man im Portal Wirtschaftsingenieurwesen. Interdisziplinarität
Beruf des WirtschaftsingenieursInformationen zum Berufsbild finden sich im Artikel Wirtschaftsingenieur. Verbände und Organisationen
ÜbersetzungenIm Englischen gibt es keine wirklich gute allgemeingültige Übersetzung des Begriffs. Um den Inhalt des Studiums passend wiederzugeben, werden eine der folgenden, englischen Übersetzungen verwendet:
Je nach Fachrichtung und Hochschule finden aber auch die folgenden Bezeichnungen Verwendung:
Zu beachten ist dabei jedoch, dass Business Engineering eigentlich nur die Planung, Durchführung und Kontrolle von Geschäftsideen und Innovationen umfasst und Product Engineering sich nur auf Konstruktion und Planung neuer Produkte beschränkt. Siehe auch
Portal: Wirtschaftsingenieurwesen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Wirtschaftsingenieurwesen
Literatur
Einzelnachweise
Weblinks |
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