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Das Produkt beim Spinnen ist kreuzweise aufgespultes Garn
Das Spinnen bezeichnet die Herstellung von Fäden.
Nähere DarstellungSpinnen ist, wie das Weben, eine der ältesten Techniken der Menschheit. Die Verfahren verfeinerten sich im Lauf der Zeit schrittweise und es entstanden neue, um die Fäden herzustellen. Daher bedeutet Spinnen heute dreierlei:
Versponnen werden alle Fasern: Pflanzenfasern wie Baumwolle, synthetische Fasern wie PET, tierische Fasern wie Wolle, früher gar menschliche Haare oder mineralische Fasern wie Asbest. Das Produkt beim Spinnen heißt Garn. Der Ausdruck Faden wird hier nicht verwendet. Die wichtigsten Kenngrößen eines gesponnenen Garnes sind neben der verwendeten Faser das Gewicht pro Länge (Garnfeinheit) und die Festigkeit (Bezugsdehnung/Reißkraft). Prinzipiell gilt: Je feiner das Garn, desto teurer. Die Qualität der verwendeten Fasern und die Art, wie sie versponnen werden, ist maßgebend für viele Eigenschaften des später daraus entstehenden Textils. Ein fertig gesponnenes Garn lässt sich auf unterschiedlichste Art weiterverarbeiten, z. B.: GeschichteVon Hand gesponnen wurde in Europa bereits um 6000 v. Chr., darauf verweisen die Spinnwirtel der Sesklo-Kultur im frühneolithischen Griechenland. Was nicht feststeht ist, ob Wolle oder Flachs versponnen wurde. Erst 2000 Jahre später ist Leinen belegt. Im 14. Jahrhundert wurde das Handspinnrad erfunden, Ende des 18. Jahrhunderts die erste Spinnmaschine, die Spinning Jenny. 1769 wurde die erste Spinnmaschine mit Wasserradantrieb zum Patent angemeldet, die Waterframe. Eine Weiterentwicklung der Waterframe und der Jenny war der Selfaktor. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Ringspinnen erfunden, welches bis heute das wichtigste Spinnverfahren geblieben ist. MythologieDas Spinnen spielt vielfach eine Rolle im Mythos und wird etlichen Schicksalsgöttinnen - so der griechischen Klotho - zugewiesen (vgl. Moiren, Parzen). Spinnen und Weben gelten als Erfindung der Göttin Athene. In der germanischen Mythologie spinnen die Nornen die Schicksalsfäden. In Märchen ist das Spinnen Ausweis von Fleiß oder inneren Reifungsvorgängen und fungiert oft als Heiratsprobe der Frau. So in folgenden Kinder- und Hausmärchen (KHM) der Brüder Grimm: Die zwölf Brüder (KHM 9), Die drei Spinnerinnen (KHM 14), Frau Holle (KHM 24), Die sechs Schwäne (KHM 49), Dornröschen (KHM 50), Rumpelstilzchen (KHM 55), Allerleirauh (KHM 65), Die zwölf Jäger (KHM 67), Die Wassernixe (KHM 79), Die faule Spinnerin (KHM 128), Die Schlickerlinge (KHM 156), Die Nixe im Teich (KHM 181), Die Gänsehirtin am Brunnen (KHM 179), Spindel, Weberschiffchen und Nadel (KHM 188).
Die Irreler Bauerntradition zeigt Kardieren, Spinnen und Stricken im Freilichtmuseum Roscheider Hof
Spinnen von HandDas Spinnen von Hand erfolgte entweder mit bloßen Händen oder aber mit einer Handspindel. Die Rohfaser wurde dabei auf einem Rocken (Kunkel) befestigt, um die Faser geordnet zu halten. Eine weitere Vorrichtung zum Spinnen von Hand ist das Spinnrad, mit dem die Entwicklung des mechanischen Spinnens begann. Es wird bereits 1298 in einer Chronik von Speyer erwähnt und taucht im 13. Jahrhundert auch in verschiedenen anderen europäischen Regionen auf. Sein Ursprung ist in China zu suchen. Den ersten Hinweise auf das Flügelspinnrad findet man im Hausbuch der Fürstenfamilie Waldburg-Wolfegg aus 1480. Die Jürgen von Wolfenbüttel zugeschriebene Erfindung dieses Spinnrades dürfte eine Legende sein. Um 1500 konstruierte auch Leonardo da Vinci ein Flügelspinnrad. Spinnen industriellHeute existieren in den Industriestaaten nur noch vereinzelt Spinnereien. Die meisten Spinnereien befinden sich in Asien, namentlich in China und Indien. Die Maschinen zum Spinnen und für sämtliche Vorstufen kommen aber auch heute noch überwiegend aus Zentraleuropa. Der ganze Spinnprozess gliedert sich in viele einzelne Arbeitsschritte, wo von das Ringspinnen und Rotorspinnen die wichtigsten sind. Die vorbereitenden Schritte lauten:
Erst jetzt kommt das eigentliche Spinnen. Man kennt hauptsächlich zwei große Verfahren: Das Ring- und das Rotorspinnen. Andere Verfahren sind das Luftspinnverfahren, Umwindespinnverfahren, Elektrospinnen. Spinnmaschinen
Vor dem Ringspinnen wird das Streckband auf der Flügelspinnmaschine (Flyer) zu einer Lunte vorgesponnen.
Die Entwicklung der mechanischen Spinnerei:
RingspinnenAm weitesten verbreitet ist das Ringspinnen, bei dem die Lunte etwa um den Faktor 40-50 gestreckt wird. Das dünne Faserband wird sofort danach gleichmäßig verdreht. Ein kleiner Metallring (Ringläufer) rotiert dabei auf einer kreisförmigen Bahn, dem Ring, um eine Spindel und wickelt das Garn auf eine Hülse, den Kops, auf. Eine wichtige Randbedingung für den Prozess ist in Abhängigkeit des versponnenen Materials die im Produktionsraum herrschende Luftfeuchtigkeit. Im Anschluss an das Ringspinnen werden mehrere Kopse auf eine größere Spule (Kreuzspule) umgespult. Dies geschieht z.B. im sogenannten Autoconer, einer separaten Maschine, die beim Umspulprozess in der Regel gleichzeitig das Garn optisch überprüft und Fehlstellen oder Verschmutzungen korrigiert. Große Spinnereien besitzen heute in der Größenordnung von 100.000 Spinnstellen. Moderne Maschinen besitzen automatisierte Verfahren für den Austausch der Kopse, für deren Weitertransport zum Autoconer sowie für die optische Überwachung und Korrektur des Fadenlaufes (Wiederanspinnen nach Fadenbruch). Ein fertiges Ringgarn besitzt einen Titer von etwa 5-400 tex. RotorspinnenDas Rotorspinnen (auch: OE-Rotor-Spinnen, engl. Open End) ist etwas seltener anzutreffen. Der Spinnprozess ist aber insgesamt wesentlich kürzer und damit kostengünstiger. Rotorspinnen eignet sich für etwas gröbere Garne. Das Vorspinnen auf dem Flyer entfällt, die Maschine kann direkt mit dem Streckband oder für grobe Garne mit Kardenband beliefert werden. Das Streckband wird zuerst in einzelne Fasern aufgelöst und von einem Luftstrom in eine sehr schnell drehende Trommel mit nach innen geneigter Wand – den Rotor – befördert, dessen Drehzahl bis zu 150.000 U/min beträgt. Durch die Beschleunigung rutschen die Fasern in die Rille am Fuß der Rutschwand des Rotors. Dort werden sie gesammelt bis die Garnstärke erreicht ist und werden axial durch die Düse in der Drehachse abgezogen und damit zu einem Garn verdreht. Das Garn wird direkt auf eine Kreuzspule aufgespult, ein Umspulen entfällt. Die Verstreckung ist dabei bis zu 400 fach. Ein fertiges Rotorgarn besitzt einen Titer von etwa 10-400 tex und hat etwa 20-30 % weniger Festigkeit als Ringgarn. Durch die Wahl des Rotors und der Düse lassen sich Volumen und Haarigkeit des Rotorgarns erheblich beeinflussen. Die Produktivität einer Rotorspinnerei liegt aber um etwa das 7-fache über der einer Ringspinnerei. In der Rotorspinnmaschine ist die Automation des Fadenansetzens weit verbreitet. Spinnen von synthetischen FasernDas Schmelzspinnen bezeichnet die Herstellung von synthetischen Vorgarnen aus einer Polymerschmelze. Ein flüssiges, da heißes Polymer wird durch eine Matrize mit mehreren Löchern gepresst, verstreckt, abgekühlt und aufgespult. Solche unendlich langen Fasern, Filamente, können in Stücke geschnitten werden und mit Baumwollfasern oder Schurwolle gemischt werden. Eine solche Mischung kann in einem weiteren Spinnprozess zu Garn verarbeitet werden. Um diesem Filament-Garn spezielle dreidimensionale Strukturen zu geben, kann das Garn texturiert werden. Das älteste Spinnverfahren für naturnahe Fasern ist das Viskose-Verfahren. Hier wird das Polymer chemisch gelöst und mit Drücken zwischen 5 und 20 bar in ein Bad verdüst. Wegen dieses Bads wird das Viskose-Verfahren zum Nassspinnen gezählt. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jh. ist es gelungen, die hohen Drücke, welche zum Herauspressen von synthetischen geschmolzenen Polymeren nötig sind, zu beherrschen. Manche Kunststoffe werden mit einem Lösungsmittel verflüssigt, welches nach dem Austritt aus den Düsen verdampft und feste Kunststofffilamente zurücklässt. In diesem Fall spricht man von Trockenspinnen, da kein Bad benötigt wird. Das vielleicht am häufigsten verwendete Polymer ist PET, solche Fasern sind z. B. unter dem Markennamen Trevira erhältlich. Österreichische Berufs- und Tätigkeitsbezeichnungen im Bereich SpinnenFür die verschiedenen Arbeitsschritte wird die Berufsbeschreibung des Spinners bzw. Spinnerin in folgende Tätigkeitsbezeichnungen verfeinert. [1] Anmerkungen
Weblinks
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