Homophobie.html

 
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Mitglied der Westboro Baptist Church auf einer Demonstration

Homophobie (von griech. homós[1]: gleich; phóbos: Angst, Phobie) bezeichnet hauptsächlich eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete Aversion bzw. Feindseligkeit[2] oder „die irrationale, weil sachlich durch nichts zu begründende Angst vor homosexuellen Menschen und ihren Lebensweisen“.[3] Homophobie wird in den Sozialwissenschaften zusammen mit Phänomenen wie Rassismus, Xenophobie oder Sexismus unter den Begriff „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ gefasst und ist demnach nicht krankhaft abnorm.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Definition

Der Begriff Homophobie weist auf Angst als Ursache des ablehnenden Verhaltens (siehe dazu unten Ursachen von Homophobie). Angst ist ein anerkanntes Erklärungsmodell für das aggressive-ablehnende Verhalten nicht nur Jugendlicher, sondern auch Erwachsener gegenüber Homosexuellen, und zwar nicht Angst vor diesen Personen, sondern eine tiefsitzende, oft unbewusste Angst vor den eigenen unterdrückten Persönlichkeitsanteilen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine phobische Störung im klinisch-psychologischen Sinne.

Homophobie bezeichnet also einerseits eine irrationale Angst vor den eigenen, nicht in das Selbstbild passenden und deshalb abgewehrten und ins Unbewusste verdrängten weiblichen bzw. männlichen Persönlichkeitsanteilen und andererseits die daraus resultierenden Gefühle wie Ekel, Verachtung und Hass und drittens die durch homophobe Personen in die Gesellschaft getragenen Vorurteile, Verfolgungstendenzen und Gewaltpotenziale.[4][5][6] Aus tiefenpsychologischer Sicht handelt es sich bei Homophobie – wie bei Sexismus, Rassismus oder Antisemitismus – um eine meist unbewusste Angst, die eigene Identität in Frage zu stellen.[2] Homophobe Menschen beschäftigen sich häufig exzessiv mit Homosexualität und wollen sie bekämpfen.

Die verschiedenen Formen homophober Gewalt (seitens Gesellschaft, Gruppierungen oder Individuen, usw.) müssen als gestörte Verhaltensweisen bezeichnet werden, die ihrerseits Lesben und Schwule in ihrer Entfaltung teilweise massiv beeinträchtigen und unter denen sich sekundär psychische Störungen entwickeln können.[2]

Manche Personen sind aus etymologischen Gründen gegen diese Verwendung des Begriffs. Dies wird im nächsten Abschnitt besprochen.

Bearbeiten Etymologie

Das Wort „Homophobie“ wurde in den 1920ern für kurze Zeit in der gemischten lateinisch/griechischen Zusammensetzung als „Angst vor dem Mann“ (Homo – lat. „Mann“; phóbos – gr. „Angst“) verwendet. Der Soziologe und Männerforscher Michael Kimmel verwendete es in dieser Zusammensetzung im Jahre 1997 und meinte damit die aktuelle ultimative Angst von Männern vor anderen Männern, dass sie ihn als zu wenig maskulin bloßstellen würden.[7]

Meistens wird es als Zusammensetzung aus den griechischen Wörtern homós („gleich“) und Phobie („Furcht“) verwendet. Nach den Erinnerungen des US-amerikanischen Psychotherapeuten George Weinberg dachte er im September 1965 bei der Vorbereitung eines Vortrages auf einer Veranstaltung der East Coast Homophile Organizations (ECHO), über die Tatsache nach, dass viele heterosexuelle Psychoanalytiker, wenn sie außerhalb des klinischen Umfeldes mit Homosexuellen zusammen sind, starke persönliche negative Reaktionen zeigen und es kam ihm die Idee, dass man dies als Phobie beschreiben könne.[7]

„Ich prägte das Wort „homophobia“ um auszudrücken, dass es eine Furcht vor Homosexuellen war…. Es war eine Furcht vor Homosexuellen, welche mit einer Furcht vor Verseuchung verbunden zu sein schien, einer Furcht davor, die Dinge, für die man kämpfte - Heim und Familie - abzuwerten. Es war eine religiöse Furcht und es hatte zu großer Unmenschlichkeit geführt, wie es die Furcht immer macht.“

George Weinberg: im Interview mit Gregory M. Herek am 30. Oktober 1998[7]

Nach eigenen Aussagen begann er das Wort etwa ab 1966 oder 1967,[7] nach Nichols Aussagen ab 1967[8] zu verwenden.

Im Jahre 1967 veröffentlichte Wainwright Churchill sein Buch Homosexual Behavior Among Males, wo er das Wort homoerotophobia (dt: „Homoerotophobie“), zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern homós („gleich“), éros („Liebe“) und phóbos („Furcht“) in sehr ähnlichem Zusammenhang benutzte.

Gedruckt erschien das Wort homophobia erstmals im Screw magazine, einer nicht sonderlich anspruchsvollen Zeitschrift („screw“ kann mit „nageln“ im sexuellen Sinn übersetzt werden), die ein überwiegend heterosexuelles, männliches Publikum ansprach. Dort hatten die Aktivisten und Freunde Weinbergs, Jack Nichols und Lige Clarke, eine wöchentliche Kolumne die schwule Themen ansprach. Am 23. Mai 1969 bekam die Kolumne vom Herausgeber Al Goldstein die Überschrift „He-Man Horse Shit“, als sie die übertriebene Meidung heterosexueller Männer von Dingen, die für tuntig gehalten werden könnten, beschrieb. Ein übertriebenes Machoverhalten sei somit das Ergebnis der Ängste heterosexueller Männer für homosexuell gehalten zu werden. Durch diese Angst würden die männlichen Erfahrungen einschränkt, weil dadurch Dinge wie Poesie, Kunst, Bewegung und Berührung als verweiblicht tabuisiert werden.[7]

Am 31. Oktober 1969 erschien es zum ersten Mal gedruckt in einer weit verbreiteten Publikation, dem Time Magazine.[9] Weinberg selber verwendete das Wort erstmals am 18. Juli 1971 in einer schriftlichen Veröffentlichung, einem Essay mit dem Titel „Words for the New Culture“ in Nichols Wochenzeitung Gay. Dort wurde es als „die Scheu davor, räumlich eng mit Homosexuellen zusammen zu sein – und im Falle von Homosexuellen selber, ein Selbsthass“ definiert. Er beschrieb auch die Folgen dieser Phobie, welche im engen Zusammenhang mit den männlichen Normen der Gesellschaft zu sehen waren, und betrachtete sie als eine Form von Vorurteil einer Gruppe gegenüber einer anderen.[7] Eine nachhaltige Verankerung im englischen Sprachgebrauch bekam das Wort jedoch erst durch Weinbergs Buch Society and the Healthy Homosexual im Jahre 1972. In einem Interview im Jahre 2002 definierte Weinberg Homophobie folgendermaßen:

„Homophobie ist genau das: eine Phobie. Eine morbide und irrationale Scheu, welche irrationale Flucht hervorruft oder den Drang, den Stimulus der Phobie und alles daran Erinnernde zu zerstören.“

George Weinberg: in: Raj Ayyar: George Weinberg: Love is Conspiratorial, Deviant & Magical, gaytoday.com, 1. November 2002

Andere Psychologen, wie zum Beispiel D.A.F. Haaga,[10] bestreiten, dass Homophobie eine wahre Phobie sei, und betonen, dass eine wahre Phobie durch Angst, Homophobie durch Wut oder Hass geprägt sei. Haaga nennt vier Unterscheidungsmerkmale zwischen Homophobie und klassische Phobien: der Phobiker erkennt seine Ängste als übertrieben, während der Homophobe seine Wut als gerechtfertigt betrachtet; das Ergebnis einer Phobie ist Vermeidung, während das Ergebnis der Homophobie Aggression sei; der Begriff Homophobie werde in einem politischen Zusammenhang verwendet, während allgemeine Phobien selten bis nie in einem politischen Zusammenhang auftauchen; diejenigen, die von klassischen Phobien betroffen sind, haben einen Leidensdruck, der den Wunsch nach Veränderung weckt, während homophobe Menschen Leidensdruck in anderen erzeugen und der Wunsch nach Veränderung somit extern geweckt wird.[7]

Aus dem etymologischen Grund, dass Homophobie eine Phobie – oder irrationale Angst – bezeichnet, ist NARTH – eine Organisation, welche sich für die Möglichkeit einer Therapie der Homosexualität einsetzt – der Meinung, dass die prinzipielle Ablehnung homosexuellen Verhaltens aus moralischen, psychologischen oder medizinischen Gründen noch nicht als Homophobie bezeichnet werden kann.[11] A. Dean Byrd – Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats und designierter Präsident – meint, dass eine Phobie eine ernste Geisteskrankheit sei und Homophobie kein wissenschaftlicher Ausdruck, sondern nur ein soziales Konstrukt sei.[12] Dieselbe Organisation veröffentlicht zum Beispiel auf ihrer Webseite mehrfach Fakten einer Studie einer Klinik für Geschlechtskrankheiten (von Maria Xiridou), von der monogam lebende ausgeschlossen waren und die schon in entstellter Weise über christliche Nachrichtenagenturen verbreitet wurde, um „sachliche Kritik“ an einem undifferenziert und allgemeingültig formulierten „homosexuellen Lebensstil“ zu üben.

Die sich in Bürgerrechtsbewegungen organisierenden Lesben und Schwulen haben den Begriff Homophobie bald durch den Begriff Heterosexismus ergänzt, um damit – in Parallele zu Begriffen wir Rassismus und Sexismus – auf eine ausgrenzende soziale und kulturelle Ideologie und auf die institutionelle Unterdrückung nicht-heterosexueller Menschen hinzuweisen.[13] (siehe auch unten: Abgrenzung gegenüber anderen Begriffen)

Bearbeiten Ausprägungen und Häufigkeit von Homophobie

Je nach Ausprägung reicht Homophobie von Vorurteilen über ausgeprägte Abneigung und Befürwortung von Diskriminierung oder staatlichen Repressionen gegen Homosexuelle bis hin zu äußerstem Hass und körperlicher Gewalt gegen Homosexuelle. Es sind auch Fälle bekannt, in denen Homosexuelle nur wegen ihrer sexuellen Orientierung ermordet wurden (z. B. der Tod von Matthew Shepard). In einigen Staaten ist die Tötung von Homosexuellen sogar staatlich organisiert (in fünf islamischen Ländern sieht die Scharia die Todesstrafe für Schwule vor). Auch in Deutschland (§ 175) trugen Heterosexismus und Homophobie lange zur Homosexuellenverfolgung bei. Heute sind homosexuelle Handlungen in allen westlichen Industrieländern (u. a. in ganz Europa, den USA und Kanada) straffrei. Siehe „Gesetze zur Homosexualität“.

Der Soziologe Michael Bochow vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung schreibt zu einer Studie aus dem Jahre 1991: In einer vom Bundesministerium für Forschung und Technologie finanzierten Repräsentativbefragung stimmten 1991 42 Prozent der Westdeutschen und 36 Prozent der Ostdeutschen der vorgegebenen Aussage zu: „In der Gegenwart von Homosexuellen kann einem körperlich unwohl werden.“ Unter Arbeitern und Rentnern stimmte die Hälfte der Befragten zu (Bochow 1993). Wird ein Gesamtbild der Einzelergebnisse der Befragung von 2222 Deutschen versucht, so kann geschlußfolgert werden, daß noch mindestens ein Drittel der deutschen Bevölkerung als stark schwulenfeindlich eingestuft werden muß; ein weiteres Drittel ist ambivalent, d. h. nicht durchgängig antihomosexuell, aber keinesfalls frei von ablehnenden oder klischeehaften Einstellungen. Die Untersuchung liefert allerdings auch eindeutige Hinweise darauf, daß die Schwulenfeindlichkeit der (west-)deutschen Gesellschaft seit den siebziger Jahren abgenommen hat.[14][15]

Insgesamt lässt sich unter Erwachsenen in Deutschland im letzten Jahrzehnt feststellen, dass Homophobie in der deutschen Gesellschaft aufgrund der Veränderungen in der Darstellung in Medien und verschiedener Aufklärungskampagnen, der Visualisierung von homosexuellen Politikern und homosexuellen Menschen/Paaren im Alltags- und Berufsleben sowie der geänderten Gesetzeslage (siehe Lebenspartnerschaft) und Rechtsprechung (siehe Urteil des Bundesverfassungsgerichts) zur Verfassungsmäßigkeit der Homo-Ehe zurückgegangen ist.

Bearbeiten Homophobie unter Jugendlichen

Durch Beschmierung („GOINASSE“) und Zerstörung vandaliertes Plakat für eine Ausstellung über das Leben Homosexueller in der Pariser Metro

Inwiefern Homophobie unter Jugendlichen verbreitet ist, liegen unterschiedliche Studien vor, die zu unterschiedlichen Bewertungen der Tendenz zum Rückgang/Ausbreitung von Homophobie unter Jugendlichen gelangen.

In der Jugendsprache findet sich das Wort schwul dagegen immer noch beziehungsweise wieder als Schimpfwort, das als Synonym für langweilig, enervierend oder gar schlecht benutzt wird. Schwuchtel ist in der Jugendsprache ein oft verwendetes Schimpfwort.

Gesondert zu betrachten ist die Verbreitung von Homophobie unter Jugendlichen, deren Ursachen unterschiedlich begründet werden. Eine repräsentative mündliche Befragung des Marktforschungsinstituts iconkids & youth bei 669 12- bis 17-jährigen Jugendlichen im Jahr 2002 ergab: 61 % der deutschen Jugendlichen haben gegenüber „Schwulen“ und „Lesben“ eine negative Einstellung, finden sie „nicht“ oder „überhaupt nicht gut“. […] Dabei wurden die Jugendlichen mit einer 5stufigen Skala danach befragt, wie gut sie verschiedene Szenen und gesellschaftliche Gruppierungen finden. Die Befragung zeigte auch: Mädchen sind toleranter als Jungen. Während 71 % der Jungs offen ihre negative Einstellung zu „Schwulen“ bekannten, äußerten lediglich 51 % der Mädchen Vorbehalte gegen Homosexuelle.[16]

Laut der oben erwähnten Studie von iconkids & youth wuchs die Ablehnung von Homosexuellen unter Jugendlichen in den letzten Jahren.

In einer globalen Umfrage mit 3050 Jugendlichen, die im Jahr 2006 im Auftrag des BBC World Service durchgeführt wurde, verneinten 47 % der 15- bis 17-Jährigen die Frage: „Meinst du, Homosexuelle sollten dieselben Rechte haben wie Heterosexuelle?“ (“Do you think homosexuals should have the same rights as heterosexuals?”). 39 % bejahten diese Frage, 13 % hatten keine Meinung, 1 % wollte nicht antworten. Befragt wurden 15- bis 17-jährige Jugendliche in zehn „Schlüsselstädten“ (New York, Nairobi, Kairo, Lagos, Rio, Bagdad, Delhi, Jakarta, Moskau, London; die Frage zur Homosexualität wurde jedoch in Kairo und in Bagdad nicht gestellt). Die Jugendlichen verschiedener Städte unterschieden sich hinsichtlich der Zustimmung zu einer Gleichberechtigung von homosexuellen Bürgern (z. B. sind 74 % der Jugendlichen in Rio für eine Gleichberechtigung, 67 % in New York, 43 % in Moskau, 36 % in London, 8 % in Nairobi).[17][18] Sozialwissenschaftler weisen darauf hin, dass Einstellungen zur sexuellen Orientierung in Großstädten liberaler sind als auf dem Land.

In einer anderen Studie des Pew Research Center in Washington, D. C. zeigte sich das Ergebnis, dass heutige Jugendliche in den Vereinigten Staaten im Vergleich zu ihrer Vorgängergeneration im Umgang mit dem Thema Homosexualität toleranter sind.[19]

Bearbeiten Homophobie unter Gläubigen

Christlicher Demonstrant: „Turn to(HOMO) Jesus, study the Bible“
Deutsch: Wendet Euch zu Homo Jesus, lest die Bibel

Konservative Christen, darunter auch römisch-katholische Christen, sehen aufgrund ihrer Bibelauslegung praktizierte Homosexualität als Sünde. Ihnen wird sowohl von lesbischwulen Bürgerrechtsorganisationen[20] als auch von liberalen oder jungen Christen Homophobie und Intoleranz vorgeworfen.

So gaben in einer Studie der Barna Group, eines christlichen Meinungsforschungsinstituts aus den Vereinigten Staaten, über die Meinung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen dort im Alter von 16 bis 29 Jahren 91 % der Nicht-Christen und 80 % der Kirchgänger an, dass anti-homosexuell das Christentum gut beschreibe. Neben der bekannten Opposition der Christen gegenüber Homosexuellen gaben beide Gruppen als nähere Gründe für diese Ansicht an, dass Christen übertriebene Verachtung und lieblose Haltungen gegenüber Schwulen und Lesben hätten. In der Gruppe der jungen Christen war einer der meist erwähnten Kritikpunkte, dass die Kirchen aus Homosexualität eine „größere Sünde“ als alle anderen mache. Außerdem behaupten die jungen Christen, dass die Kirchen ihnen nicht geholfen hätten, die biblischen Lehren über Homosexualität mit ihren Freundschaften gegenüber Schwulen und Lesben in Einklang zu bringen. Bei dieser Untersuchung haben nur 3 % der Nicht-Christen ein positives Bild über Evangelikale im Gegensatz zu 25 % in der amerikanischen Generation der Baby Boomer.[21]

Selbst in konservativen christlichen „Hilfestellungen zur Veränderung“ wird auf die besondere Abneigung vieler hingewiesen:

„Evangelikale Christen behandeln Homosexuelle leider nur allzu oft als Sünder besonders hoffnungsloser Klasse. Dies spricht aus den meisten Lebenszeugnissen von Homosexuellen oder ehemaligen Homosexuellen, die in frommen Kreisen Hilfe suchten. Christliche Seelsorger bestätigen dies als häufige Not. Zur Verdeutlichung sei hier eine junge betroffene Frau zitiert: „Ich beginne solcher Christen überdrüssig zu werden, die bekehrte Ehebrecher, Prostituierte, Alkoholiker und Selbstbefriediger akzeptieren, aber wie vor einer Viper zurückschnellen, wenn ein Homosexueller Hilfe sucht. Man hat den Eindruck, sie stünden kurz vor dem Erbrechen, wenn sie mit mir reden. Sie beobachten und analysieren mich und suchen nach Verhaltensfehlern. Sie können meine Vergangenheit nicht vergessen, als ob Jesus in die Welt gekommen wäre, jeden zu retten, nur nicht einen Homosexuellen.“ [...]“

– Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (Hrsg.): Antihomosexualität. Beiträge zur Seelsorge 2: Homosexualität, 2004, ISBN 3-8334-0260-1, S. 10

Die TAZ berichtet anlässlich der Premiere zweier Dokumentarfilme mit homosexuellen bzw. transsexuellen Muslimen über deren homophobes Umfeld in den islamisch geprägten Gesellschaften der Türkei sowie im Iran und wie die Darsteller damit umgehen.[22]

Bearbeiten Homophobie im Profifußball

Folgt man Statistiken zum Vorkommen von Homosexualität in der männlichen Bevölkerung, müssten in den Bundesligen mehrere schwule Spieler spielen;[23] die Fußballzeitschrift Rund ging im Rahmen einer Themenwoche sogar davon aus, dass mindestens drei schwule Teams in den Bundesligen spielen müssten.[24] Im Jahr 2005 berichtete die Financial Times, ein Spieler der Bundesliga und zwei weitere aus unteren Ligen seien bereit, sich zu outen, wenn sich acht weitere Spieler finden, die bereit sind, sich der Öffentlichkeit zu stellen.[25] Die englische Football Association (FA) veranstaltete im November 2005 einen Gipfel zum Thema Homophobie im Fußball.[25] Im Frühjahr 2006 sorgte in Großbritannien die Ankündigung der Boulevardzeitungen The News of the World und The Sun mehrere homosexuelle Profis zu outen für eine große öffentliche Diskussion.[26] Im Jahr 2005 kündigte die Football Association an, zukünftig Fans, die gegnerische Fans, Spieler oder Schiedsrichter als „Poofs“ (Schwuchteln) beleidigen, aus dem Stadion zu entfernen. Schließlich wurden Anfang August 2006 zwei englische Fans wegen schwulenfeindlicher Beschimpfungen verurteilt.[27][28]

Im nicht so stark im Fokus der Öffentlichkeit stehenden deutschen Frauenfußball leben einige Spielerinnen offen lesbisch; sie werden jedoch nicht auf ihre Homosexualität angesprochen. Tina Theune-Meyer äußerte sich dahingehend, dass der Anteil lesbischer Spielerinnen im deutschen Nationalteam bei 60 bis 70 Prozent liegt.[29] Die Äußerungen und Reaktionen von Spielern, Trainern und Offiziellen zeigt für den von Männern betriebenen Ballsport in dieser Hinsicht ein ganz anderes Bild. Während sich in anderen Sportarten lesbische, schwule und bisexuelle Spitzensportler wie Martina Navratilova (Tennis), Mark Tewksbury (Schwimmen), Greg Louganis (Turmspringen) oder Judith Arndt (Radsport) geoutet haben, hat sich bisher nur Marcus Urban im November 2007 nach dem Ende seiner sportlichen Karriere als einziger männlicher deutscher Fußball-Profi geoutet. [30]

Das Thema Homosexualität wird im Profifußball sowohl stark emotionalisiert als auch tabuisiert. Hierbei handelt es sich um kein spezifisch deutsches, sondern um ein generelles Phänomen innerhalb der Sportart. Eine schriftliche Anfrage des Senders BBC Radio Five Live bei 20 Vereinen der britischen Premier League mit drei Fragen zum Thema „Homophobie im Fußball“ blieb 20 Mal unbeantwortet.[31] Während Fansprechchöre die Beleidigungen gegnerischer Mannschaften häufig extrem homophob aufladen, zeigen die Reaktionen der Offiziellen sehr deutlich, wie hoch das Konfliktpotential bei diesem Thema ist. Jürgen Rollmann, Ex-Profi von Werder Bremen, äußerte zu dieser Frage einmal „Schwule Spieler muss es geben, aber ich weiß nicht, wo“. Bei über 800 aktiven Spielern gibt es im deutschen Profifußball keinen Einzigen, der offen geoutet lebt. Heinz Bonn, Spieler des HSV, hielt in den siebziger Jahren seine Homosexualität aus Furcht vor Karriereschäden geheim. Er wurde Alkoholiker und 1991 von einem Strichjungen ermordet.[32] Die Geschichte des englischen Profis Justin Fashanu, des bislang einzigen Fußballprofis, der sich während seiner sportlichen Karriere zu seiner Homosexualität bekannte, beweist, wie heikel das Thema Homosexualität in diesem Bereich noch immer ist. Fashanu erhängte sich 1998, acht Jahre nach seinem Coming-out, weil er in den USA wegen sexueller Nötigung angeklagt wurde, nachdem er sexuellen Verkehr mit einem 17-jährigen Fußballschüler hatte, der ihn nach eigenen Angaben erpressen wollte. Zur Situation in Deutschland äußerte sich Henning Bürger, Profi von Rot-Weiß Erfurt: „Wenn sich ein Spieler outen würde, wäre der Rummel groß. Gerade bei Auswärtsspielen müsste ein bekennender Homosexueller einen riesigen Druck aushalten. Irgendwann passiert es, aber noch ist die Angst zu groß“. Auch Yves Eigenrauch, Ex-Profi von FC Schalke 04, vertritt eine Auffassung, die dies unterstreicht: „Es muss homosexuelle Spieler im Profifußball geben. So konservativ, wie sich der Sport darstellt, erführe die betreffende Person aber sicherlich eine große Ablehnung.“

„Ich habe in der Liga noch nie einen homosexuellen Spieler gesehen. Und bisher hat sich auch noch keiner bei mir geoutet. Aber es gibt bestimmt welche, auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann. Wenn sich einer outen will, soll er das ruhig tun. Das ist doch jedem selbst überlassen.“

Rudi Assauer, Manager von Schalke 04: zit. nach Bödeker 2004[33]

St.-Pauli-Präsident Corny Littmann hat sich wiederholt mit der Aussage geoutet, er hätte bereits intime Kontakte zu mehreren Spielern gehabt. Dennoch kommt er im Gegensatz zu Assauer zu dem Schluss:

„Ich würde keinem Profi raten, sich zu outen. Der soziale Druck wäre nicht auszuhalten. In einem heterosexuellen Mannschaftsgefüge ist man direkt der Außenseiter, wird angreifbar für Mitspieler, Gegenspieler und Medien.“

Corny Littmann, Präsident des FC St. Pauli: zit. nach Bödeker 2004[33]

Günter Netzer bestätigte 2004 in der Sendung „Menschen bei Maischberger“, ein Outing wäre für prominente Spieler durchaus fatal.[34] In der Mannschaft des deutschen Frauennationalteams gibt es mehrere bekennende Lesben. Martina Voss, eine der Ausnahmespielerinnen im deutschen Fußball der vergangenen zehn Jahre, wurde kurz vor den Olympischen Spielen 2000 nach 125 Länderspielen aus dem Nationalteam geworfen, weil sie wegen privater Probleme mit ihrer damaligen Freundin und Mannschaftskameradin Inka Grings die Teilnahme an einem Länderspiel absagen musste.

Mittlerweile haben mehrere Fußballvereine in Deutschland schwul-lesbische Fanklubs. Als erster offizieller Klub dieser Art gilt der Fanklub „Hertha-Junxx“ von Hertha BSC, der im August 2001 entstand. Weitere Gründungen in anderen Städten mit Bundesligafußball folgten.

Liste bekannter schwul-lesbischer Fanclubs deutscher Clubs

Name Verein Gründung
Andersrum Rut-Wiess 1. FC Köln November 2007
Bayer04Junxx Bayer 04 Leverkusen Januar 2008
Blaue Bengel Arminia Bielefeld März 2007
BLUE PRIDE Hamburger Sport-Verein e.V. Februar 2007
Dynamo Junxx SG Dynamo Dresden unbekannt
Hertha Junxx Hertha BSC August 2001
Meenzelmänner 1. FSV Mainz 05 März 2007
Queer Devils 1. FC Kaiserslautern Juli 2007
Queerpass Bayern FC Bayern München November 2006
Queerpass St. Pauli FC St. Pauli Dezember 2001
Rainbow Borussen Borussia Dortmund Februar 2004
Stuttgarter Junxx VfB Stuttgart Oktober 2004
WildparkJunxx Karlsruher SC Januar 2007


Ein typisches Beispiel für offene Homophobie im Profifußball gab der frühere Trainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft, Otto Barić. In einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Blick“ äußerte er 2004 „Meine Spieler müssen echte Kerle sein. Also können Homosexuelle bei mir nicht spielen, höchstens gegen mich.“ In einem anderen Gespräch äußerte er sich gegenüber der kroatischen Zeitung „Jutarnji List“ ähnlich: „Ich weiß, dass es in meiner Mannschaft keine Homosexuellen gibt. Ich erkenne einen Schwulen innerhalb von zehn Minuten, und ich möchte sie nicht in meinem Team haben.“[35] 2007 wurde Barić von der UEFA wegen der homophoben Äußerungen in „Jutarnji List“ zu einer Geldstrafe von 1825 Euro verurteilt.[36]

1981 verkündete die FIFA, das in einigen Ländern verbreitete Küssen der Spieler während des Spiels sei „unmännlich, übertrieben gefühlsbetont und deshalb unangebracht“.

Einige Spieler äußern sich ebenfalls homophob oder wollen sich zu dieser Frage generell nicht äußern. Der frühere Spieler von Fortuna Düsseldorf, Michael Schütz, äußerte sich in einem Interview wie folgt: „Man würde gegen so einen nicht richtig rangehen, weil die gewisse Furcht vor Aids da wäre.“ Der ehemalige Verteidiger des 1. FC Köln, Paul Steiner, erklärte bei einer Fernsehdiskussion zum Thema Homosexualität im Fußball: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schwule Fußball spielen können.“ 2004 produzierte die US-Amerikanerin Sherry Horman die Komödie Männer wie wir, in der sie diese in dieser Sportart verbreitete homophobe Auffassung in den Mittelpunkt der Handlung stellte.

Das österreichische Wettbüro Gamebookers gab im Juni 2005 bekannt, es sei bei 800 Fußballprofis statistisch unmöglich, dass es keine schwulen Fußballer gibt. Das Unternehmen bot daher an, darauf zu wetten, ob sich homosexuelle Spieler der höchsten europäischen Ligen outen werden. Beim Outing eines schwulen Profi-Fußballerpaares betrug die angebotene Quote 51, beim Outing eines Einzelspielers 1,5, für das Outing mehrerer Fußballprofis schließlich bei 2,25.[37]

Der Fußballtrainer Christoph Daum stellte Ende Mai 2008 in einer Sendung des Deutschen Sportfernsehens Homosexualität und Pädophilie in einen Zusammenhang, wofür er sich später öffentlich entschuldigte. Der Deutsche Fußball Bund sponserte beim Christopher Street Day in Köln 2008 einen Festwagen unter dem Motto „Fußball ist alles... auch schwul“. [38]

Bearbeiten Homophobie unter Linken

Die politisch linken Gruppierungen haben eine zwiespältige Geschichte und im Laufe der Zeit eine Wandlung durchgemacht. Im Kaiserreich und in der Weimarer Republik Deutschlands wurde von der SPD und teilweise auch von der KPD zwar die Abschaffung des § 175 mäßig unterstützt, aber man beschäftigte sich ebenso wie die Anarchisten zum größten Teil nicht mit den eigenen homophoben Vorurteilen und instrumentalisierte sie immer wieder gegen politische Gegner. Homosexualität wurde als Dekadenzerscheinung gesehen und wurde mit den Klassen des Adels und der Bourgeoisie verbunden.[39] In Russland beispielsweise wurde im Zuge der Revolution die Strafbarkeit von Homosexualität abgeschafft, kurz darauf aber wieder eingeführt. Die noch immer existierende Bezeichnung „Golubčik“ für Schwule kommt von „Goluboj“ („Blau)“ und wird mit dem „Blauen Blut“ der Aristokratie, den Machthabern aus vorrevolutionärer Zeit, assoziiert.[40] Innerhalb der deutschen Linken war Homosexualität nicht akzeptiert. Man ging großteils davon aus, dass es sie in einer sozialistischen Gesellschaft einfach nicht mehr geben werde. Aber sie sollte straffrei sein. Sämtliche moralischen Vorurteile gegenüber Homosexualität waren immer auch im Kampf gegen Bürgertum, Adel und schließlich auch den Faschismus virulent. Dies zeigte sich beispielsweise bei der Affäre um Friedrich Alfred Krupp (1902), der Harden-Eulenburg-Affäre (1907–1909) und den Agitationen gegen Ernst Röhm[41] (ab 1931). Letzteres war ein großer Schritt zum Stereotyp des „homosexuellen Nationalsozialisten“. Dazu trug auch bei, dass beim theoretischen Diskurs seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Männlichkeitsideale, Führerkult, Männerbünde und die patriarchale Gesellschaftsordnung als durch Homoerotik und Homosexualität getragen enttarnt wurden. Vor allem auch in der deutschsprachigen Exilpresse wurde Homosexualität in einen wesenhaften Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus gebracht. Explizit wurde diese Verbindung erstmals im August 1933 im von der Exil-KPD herausgegebenen Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror suggeriert. Dort wurde auch durch manipulierte Fakten und den Einsatz von Klischees Marinus van der Lubbe, der angebliche Brandstifter des Reichstages, zum Lustknaben erklärt, welcher mit Röhm ein Verhältnis gehabt haben soll. Erste Meldungen über die Verfolgung von Homosexuellen wurden von der Exilpresse als interne Streitigkeiten unter den Nationalsozialisten interpretiert. Der angebliche Zusammenhang zwischen Homosexualität und Nationalsozialisten wurde auch mit vielen empirischen Berichten über (teilweise angeblich) homosexuelle Nationalsozialisten zu untermauern versucht. Nur wenige traten gegen diese Darstellungen auf, wie etwa der selbst homoerotisch veranlagte Thomas Mann: „Man ist im Begriffe, aus ‚dem‘ Homosexuellen den Sündenbock zu machen – ‚den‘ Juden der Antifaschisten. Das ist abscheulich.“[39] Die Nationalsozialisten wiederum gingen unter anderem mit dem Vorwurf der Homosexualität beispielsweise gegen Mitglieder der Wandervogelbewegung, Priester, Mönche und Nonnen, (sozialistische) Juden und andere missliebige Personen vor. Speziell der sogenannte „Röhm-Putsch“ wurde propagandistisch verwendet, um gegen Homosexuelle öffentlich Stimmung zu machen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren verschiedene Personen wegen ihrer Einsätze für linke Ziele geachtet, ihre Aktivität in der Schwulenbewegung aber lange Zeit totgeschwiegen, beispielsweise beim radikalen Antimilitaristen Kurt Hiller. Durch die Rückbesinnung auf linke Faschismusanalysen der 1930er Jahre in Folge der 68er-Bewegung wurde das Stereotyp des „homosexuellen Nationalsozialisten“ in Westdeutschland teilweise wiederbelebt. Dies findet sich etwa auch im Buch Männerphantasien von Klaus Theweleit, wo er behauptet, „Männerbünde“ neigen „zur Ausbildung ‚homosexueller Praktiken‘, die, selber aggressiver Art, zum Umklappen in jede andere Form der Aggressivität fähig“ seien.[39] Heute dagegen werden solche Dinge, wie etwa teilweise stark sexualisierte Initiationsriten in Männerbünden, von der Soziologie und Psychologie anders bewertet und selbst als Akte mit homophobem Einschlag beschrieben. Viele anfängliche Aktivisten der zweiten Welle der Lesben- und Schwulenbewegung ab Ende der 1960er fühlten sich der Linken politisch zugehörig, ohne aber von dieser aufgenommen zu werden. Die relevanten Themen wurden von der Mehrheit in diesen Kreisen nicht behandelt. Als Folge entstand eine eigenständige Homosexuellenbewegung, welche sich um lokale Gruppen und entstehende Schwulen- und Lesbenprojekte entwickelte, auch wenn es einzelne personelle Kontakte und Überschneidungen gab. Mit der Zeit fand eine Verbürgerrechtlichung der Homosexuellenbewegung statt.[39] Eine Folge dieser Entwicklungen ist der sogenannte Tuntenstreit. Bei den neu entstandenen Grünen entwickelte sich erstmals eine große politische Unterstützung. Danach wandelte sich auch die Einstellung der sozialistischen Parteien, und es stieg die Unterstützung für die Belange der Homosexuellenbewegung. Dazu beigetragen haben auch parteiinterne Themengruppierungen wie etwa die deutschen Schwusos. Einige Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion änderte sich auch die Einstellung einiger kommunistischer Parteien, wo es teilweise zur Modernisierung kam, und in den 2000ern entstanden auch dort parteiinterne oder parteinahe Themen-Gruppen.

Bearbeiten Ostblock und DDR

In den der Sowjetunion nahe stehenden kommunistischen Ländern wurde Homosexualität getreu der Utopie vom perfekten sozialistischen Staat oft als vor allem „kapitalistisches“ oder „westliches“ Übel angesehen und manchmal auch so propagiert. In den letzten bestehenden kommunistischen Ländern wie Kuba oder China zeigt sich dies noch bis heute. In der DDR wurde im Gegensatz zur BRD in den Jahren 1948/49 die Verschärfung des § 175 aus dem Jahre 1935 prinzipiell als nationalsozialistisches Rechtsgut anerkannt und ab da großteils die Fassung aus der Weimarer Republik und zusätzlich der aus dem Nationalsozialismus stammende schärfere § 175a für Beziehungen zu Jugendlichen angewandt. In den politischen Diskussionen um Gesetzesentwürfe zeigten sich aber immer wieder die die Vorurteile der SED gegenüber Homosexuellen. Es wirkten sich auch die schon am Anfang dieses Abschnittes erwähnten Utopien von der „Überwindung der Homosexualität“ in der sozialistischen Gesellschaft und vom „Überbleibsel“ abgewirtschafteter Klassen aus. Die Kommission zur Reform des Strafrechtes in den 1950ern schrieb: „Überreste der Vergangenheit können natürlich auch in diesen homosexuellen Erscheinungen bestehen. Das Wegfallen der sozialen Wurzeln reicht nicht aus. Wir müssen sie nicht bestrafen, sondern es ist festzustellen, ob Überreste da sind und ob man sie bekämpfen muss.“ Homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen waren durch ein Gerichtsurteil ab 1957 quasi straffrei, ab 1968 mit der Verabschiedung eines neuen Strafgesetzbuches auch laut Gesetz, und 1987 wurde eine besondere Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Kontakte komplett aufgehoben. Die Abschaffung der Strafbarkeit führte aber nicht zu einer größeren Toleranz. Offen homosexuelles Leben war nahezu unmöglich. Auch in der Politik der SED spiegelten sich die widersprüchlichen Positionen der Arbeiterbewegung zur Homosexualität wider. „Die von ihr propagierte sozialistische Gesellschaft favorisierte die lebenslange, monogame und reproduktive Ehe. Diese Norm bestimmte ihre Sexualpolitik und Sexualerziehung. [...] Homosexuell-Sein hatte darin keinen Platz. Im gleichgeschlechtlichen Begehren, das frei wählbar und gelebt werden konnte, sah die SED eine Gefahr für die sozialistische Moral, für das ‚Sittengefühl der Werktätigen‘.“[39] Die Stasi überwachte, wie alles, was sich unabhängig von der Parteilinie entwickelte, auch die kleine „Szene“. Eine sich in den 1970ern entwickelnde Emanzipationsbewegung stieß beim Staatsapparat auf Widerstand, und Organisationen wurde eine Zulassung mit der Begründung verweigert, Sexualität sei Privatsache und folglich bestünde kein Bedarf an einer solchen Organisation. Erst mit Entstehen einer unabhängigen Oppositionsbewegung entstand ab den 1980ern, meist unter dem Schutze der Kirche, eine politische Homosexuellenbewegung, die klarerweise wieder von der Stasi überwacht wurde. Auf höchster Ebene wurde vom Ministerium für Staatssicherheit ein Maßnahmenplan zum Umgang mit der Homosexuellenbewegung erarbeitet, der die Verhinderung jeder Organisation zum Ziel hatte.[39]

Bearbeiten Homophobe Vorurteile

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Siehe auch:

 Homophobe Vorurteile       Argumente       w = weiblich       m = männlich 
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Homosexuelle entsprechen dem Stereotyp des Geschlechtes, dem sie nicht angehören. Schwule verhalten sich „weiblich“, und umgekehrt sind Lesben eher „Mannweiber“.

Wenn Schwule sich betont feminin verhalten bzw. Lesben betont maskulin, also gegengeschlechtlich, dann dient dies zuweilen auch als „Hilfsmittel“ bei der Emanzipation von Geschlechterrollen-Klischees.
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Wenn es immer mehr Homosexuelle gäbe und die homosexuelle Kultur Oberhand gewinnen würde, müsste die Menschheit aussterben, deshalb schadet Homosexualität.[42][43][44] Die Religion fordert „Homosexuelle zu töten, weil ihre Tätigkeit zum Aussterben der Menscheit führt.“[45] Homosexuelle sind eine Bedrohng für das Bevölkerungswachstum, das Volk wird untergehen, wenn es nichts gegen Homosexuelle unternimmt.[46] Homosexualität ist ein „demographisches Problems“.[47] Es besteht ein direkter oder indirekter Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang und Homosexualität beziehungsweise Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.[48][49][50][51][52]

Das Vorurteil trifft Schwule öfter als Lesben. Zur Zeit des Nationalsozialismus etwa wurden Frauen häufig als nur „pseudohomosexuell“ und durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr „kurierbar“ beschrieben. Bei homosexuellen Männern werde dagegen „Zeugungskraft vergeudet, sie scheiden zumeist aus der Fortpflanzung aus, bei Frauen ist das nicht oder zumindest nicht im gleichen Maß der Fall“.[53] Homosexuelle waren, sind und werden eine Minderheit bleiben. Es ist keine reale Zunahme erkennbar, alleine die Sichtbarkeit ist gegenüber früher erhöht. Auch gibt es einige Schwule und Lesben, die Kinder aus anderen Beziehungen oder Erlebnissen haben. Priester sind auch eine Minderheit, wegen der die Menscheit nicht aussterben wird und selbst Vatikanstadt stirbt nicht aus. Siehe auch: „Untergang des Abendlandes
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Alle Schwulen haben viele und häufig wechselnde Sexualpartner, sind also promisk.

Hier gibt es in der Praxis zwei Strömungen. Viele Schwule leben genauso (seriell-)monogam wie Heterosexuelle. Es gibt aber eine durchaus große Gruppe, die viele Sexualkontakte hat, und es kommt auch nicht so selten vor, dass sogenannte „Offene Partnerschaften“ eingegangen werden. Vor 1982 (AIDS) war die Anzahl der promisk lebenden Männer allerdings höher.
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Schwule wollen mit allen anderen Männern Sex haben.

Dies resultiert aus einer selektiven Wahrnehmung und aus einer Unterschätzung der ganz persönlichen Auswahlkriterien der homosexuellen Männer. Derartiges Verhalten ist bei Schwulen nicht verbreiteter als bei Heterosexuellen.
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Schwule wollen vor allem Sex mit Kindern oder männlichen Jugendlichen. Viel mehr Schwule als Heterosexuelle begehen sexuellen Missbrauch an Kindern.

Eine statistische Häufung des spezifisch homosexuellen Missbrauchs Minderjähriger ist nicht belegt. Täterstudien kommen zum Ergebniss, dass die meisten Täter bei gleichgeschlechtlichen Kindesmissbrauch heterosexuell oder höchstens bisexuell sind, meistens verheiratet sind und selber Kinder haben.[54][55] Dennoch wird immer wieder versucht, eine Häufung des spezifisch homosexuellen Missbrauchs mit pseudowissenschaftlichen Studien zu untermauern, wobei einer bewusst tiefen prozentualen Schätzung des Anteiles von Schwulen an der Gesamtbevölkerung, (siehe auch letzten Punkt der Liste) einer bewusst hohen Schätzung aller Fälle gleichgeschlechtlichen Missbrauchs gegenübergestellt wird und so die Aussagen der Studien verdreht werden. Manchmal verlangen die Autoren der Originalstudien, ihre Erwähnung zu streichen. Die tatsächliche Orientierung der Täter und deren Beweggründe wird völlig ausser Acht gelassen und somit wird jeder gleichgeschlechtliche Missbrauch einzig den offenen, selbstbewussten Schwulen zur Last gelegt.[56][57][58][59][60] Zwar bevorzugen viele Schwule jüngere Partner; darin unterscheiden sie sich jedoch in keiner Weise von heterosexuellen Männern. Es wird angenommen, dass der „Jugendwahn“ eine Grundlage in der Biologie hat. Frauen sind ab einem bestimmten Alter nicht mehr fruchtbar, Männer sind jedoch bis ins hohe Alter zeugungsfähig. Jugendliches Aussehen signalisiert sexuelle Vitalität, deshalb verschiebt sich der Fokus sexuellen Verlangens in Richtung jüngerer Sexualpartner.

In der römisch-katholischen Kirche wird sowohl von der Kongragation für Glaubenslehre, als auch von der Österreichischen Bischofskonferenz der Ausschluß homosexueller Personen bei der Erziehung und Ausbildung junger Menschen, auch im ausserkirchlichen Bereich, ohne Angabe von näheren Gründen, als „gerechtfertigte Diskriminierung“ angesehen.[61][62] Das römische Dokument veranlasste unter anderem deshalb den amerikanischen Moraltheologen Richard Peddicord, dem einzigen Theologen welcher bis 2000 eine gründliche und ausgewogene Monographie über Rechte für Homosexuelle veröffentlicht hatte, zur Aussage, dass man die Glaubenskongregation nicht leicht vor dem Vorwurf der Homophobie in Schutz nehmen könne.[63]

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Schwule sind heterosexuellen Männern an Körperkraft und Geschicklichkeit unterlegen. Typisches Klischee: Schwule können nicht Fußball spielen. So sagte es Lothar Matthäus.[64] 1996.

Es sind keine Unterschiede nachweisbar. Eine filmische Behandlung dieses Themas findet in Männer wie wir statt.
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Schwule und Lesben sind problemlos an Äußerlichkeiten erkennbar.

Die selektive Wahrnehmung sorgt dafür, dass von jenen Homosexuellen, die ihre Erscheinung bewusst einem der gängigen Klischees entsprechend gestalten, auf die Gesamtheit aller Homosexuellen verallgemeinert wird. In der Praxis sind jedoch die meisten Homosexuellen vollkommen „heterolike“ und nicht als homosexuell erkennbar – es sei denn, sie verwenden bestimmte Zeichen, z. B. einen Regenbogenfahnen-Aufkleber auf dem Auto.
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Der Anteil homo- und bisexueller Menschen an der Gesamtbevölkerung ist verschwindend gering, und diese Gruppe hat daher keine gesellschaftliche Relevanz. Oft wird argumentiert dass die 10 % aus der Kinsey-Studie falsch sind[65][66] und in Wirklichkeit nur 1,4 %[67] bzw. nur 2.8 % der Männer und 1.4 % der Frauen (durchschnittlich 2,1 %)[65][68] „echt homosexuell“ seien und zusätzlich sei es bei vielen veränderbar. Kinsey selbst wird dabei öfters vorgeworfen er sei bisexuell und sexsüchtig gewesen, seine Untersuchung deshalb tendenzios und mangelhaft.[66][68]

5 % der Bevölkerung ab 15 Jahren, in absoluten Zahlen[69]
 Land  ab 15 J   5 % davon (m+w) 
 Deutschland   85,8 %   70,8 Mio.   3.500.000 
 Liechtenstein   82,6 %   28.080   1.400 
 Österreich  84,6 %   7,0 Mio.  347.000 
 Schweiz  83,7 %   6,3 Mio.  314.000 
Siehe auch: Häufigkeit von Homosexualität
Verlässliche Schätzungen geben den Anteil Homosexueller in der Gesamtbevölkerung mit etwa 5 % an, wobei es mehr Schwule als Lesben gibt und wegen der spezifischen Landflucht sie in Großstädten etwa 8-10% Bevölkerungsanteil ausmachen und am weiten Land dementsprechend weniger. Dazu kommen noch viele Bisexuelle, und Menschen die eine mehr oder weniger stark ausgeprägte gleichgeschlechtliche Anziehung verspüren. Jede diesbezügliche Untersuchung hat neben der Definition, was jetzt wirklich homosexuell ist, mit vielfältigen methodischen Fallstricken zu kämpfen. Die 10 % von Kinsey waren Personen, welche über mindestens drei Jahre mehr oder weniger ausschließlich homosexuell lebten. Wichtiger war Kinsey folgende Aussagerichtung: „Man darf die Welt nicht in Böcke und Schafe einteilen.“ 4% waren ausschließlich homosexuell in ihrem Leben und 50 % hatten nie psychische oder physische gleichgeschlechtliche Erlebnisse, dazwischen liegt ein weites Feld. Spätere, verschieden gefilterte Analysen der Kinsey-Daten brachten keine wesentliche Infragestellung seiner Studienaussagen.

Bearbeiten Diskriminierung von (männlicher) Homosexualität

Beim Heterosexismus allgemein – anders als beim Sexismus – sind Männer oft in stärkerem Maße negativ betroffen als Frauen. Weibliche Homosexualität bleibt öfter unbeachtet. „Subtilere“ Formen von Diskriminierung werden immer noch (z. B.) in Wörterbüchern dokumentiert und zementiert, z. B. „Medizinisches Wörterbuch“:[70] Homosexualität: „Sexuelle Beziehungen zwischen Männern. (Entsprechende Beziehungen zwischen Frauen: Lesbische Liebe).“  Bemerkenswert daran ist,

  • die pauschale Beschränkung auf „sexuell“ bei Männern, und die vergleichsweise „Euphemisierung“ zur „Liebe“ bei Frauen.
  • dass im Wörterbuch kein eigener Eintrag unter den Stichworten „Lesbe“, „lesbische Liebe“, oder ähnlich, zu finden ist.
  • die Tatsache, dass Homosexualität nach wie vor als ein medizinisches Phänomen gesehen wird, implizit also pathologisiert und als „Krankheit“ betrachtet.

Beispielsweise der § 175 des deutschen Strafgesetzbuchs stellte bis 1994 sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe.

Siehe auch: Abschnitt „Wissenschaftliche Untersuchung“.

Bearbeiten Ursachen von Homophobie

Bearbeiten Sozialpsychologische Perspektive

Aus Sicht der Sozialpsychologie ist das soziale Erlernen von Vorurteilen und Stereotypen Ursache für Homophobie. Sie werden bereits in der Sozialisation vermittelt. Dabei werden Vorurteile und Erwartungshaltungen der sozialen Umwelt (auch z. B. religiöse Überzeugungen) übernommen. Sind Vorurteile und Stereotypen einmal vorhanden, verstärken sie sich laufend selbst, indem man an Homosexuellen genau das wahrnimmt, was dem Stereotyp entspricht.

Bearbeiten Tiefenpsychologische Perspektive

Die Anfälligkeit für diesen sozialpsychologischen Mechanismus ist nicht bei allen Menschen gleich stark ausgeprägt. Denn, so die Sicht der Tiefenpsychologie, Homophobie dient der Abwehr von Ängsten, und das umso stärker, je geringer das Selbstwertgefühl eines Menschen ist, je geringer seine soziale Integration und je schlechter seine soziale Lage ist. Die Ängste der diskriminierenden Menschen werden allerdings nicht direkt spürbar, weshalb die These, dass Angst die Hauptursache für Diskriminierungen sei, für viele zunächst schwer nachvollziehbar ist. Die Tiefenpsychologie benennt folgende unbewussten Ängste und Bedürfnisse, die mithilfe von Homophobie aus dem Bewusstsein ferngehalten würden:

Angst vor eigenen lesbischen bzw. schwulen Zügen
Die Angst vor homosexuellen Anteilen der eigenen Sexualität sei einer der Gründe für Diskriminierungen Homosexueller. Dafür sprächen auch Untersuchungen mit rechtsextremen Jugendgruppen, die Gewalt gegen Schwule ausüben und sich betont hart und männlich geben (solche Jugendgruppen sind nicht mit „den Skinheads“ gleichzusetzen, da erstere politisch sehr heterogen sind). Unterschwellige homoerotische Tendenzen, die es in solchen Männerbünden auch gebe, würden bei diesen Jugendlichen eine „weit überdurchschnittliche Angst vor der eigenen Homosexualität“ wecken.[71] Rauchfleisch[72] vertritt die Ansicht, dass es oft gar nicht so sehr um eigene homosexuelle Anteile gehe, sondern um die immer auch vorhandenen passiv-rezeptiven Anteile, die diese Jugendlichen fälschlicherweise als Weiblichkeit verstehen und diese wiederum fälschlicherweise als Homosexualität. Der Angst vor eigenen homosexuellen Anteilen liege oft die noch größere Angst zugrunde, emotional berührt zu werden.
Angst vor sozialer Unsicherheit und Streben nach Macht
Menschen in einer sozio-ökonomisch schwierigen Lage würden allgegenwärtige (heterosexistische) gesellschaftliche Normvorstellungen eher übernehmen, da der Einklang mit solchen Normverstellungen einerseits Sicherheit vermittelt und andererseits mit Homosexuellen eine Gruppe gefunden ist, die vermeintlich noch schwächer ist.
Angst vor der Infragestellung zentraler Normvorstellungen
Homosexuelle Orientierungen und v. a. ein offen homosexuelles Leben forderten tradierte, konservative gesellschaftliche Normvorstellungen heraus. Nach sozialpsychologischen Untersuchungen von Adorno et al.[73] haben wir alle Tendenzen, auf ungewohnte Verhaltensweisen mit Verunsicherung und oft auch Aggressivität zu reagieren. Hinzu komme, dass man diejenigen, die von den Regeln abweichen, nicht nur verachte oder hasse, sondern auch häufig unbewusst etwas um ihren Freiraum beneide.
Angst vor dem „Angriff“ auf die traditionelle Familie
Dass zwei Lesben oder zwei Schwule intim und partnerschaftlich zusammenleben, sei ein Affront aus Sicht von Menschen, die sich als einzige Form des Zusammenlebens die von Mann und Frau vorstellen können. Zwar pflegen heutzutage auch heterosexuelle Paare oft nicht die traditionelle Rollenhierarchie einer Kleinfamilie, aber diese Rollenhierarchie werde durch homosexuelle Paare sichtbarer infrage gestellt. Männer in einer Partnerschaft mit traditioneller Rollenverteilung fühlten sich häufiger als Frauen davon bedroht, dass in homosexuellen Beziehungen die Rechte und Pflichten immer wieder neu ausgehandelt werden müssten und es dadurch keine festen Machtpositionen gebe.
Angst vor Infragestellung des gängigen Männlichkeitsideals
Es geht hier nicht primär darum, dass manche Schwule sich effeminiert („feminin“) verhalten, sondern darum, dass Schwule oft auch „weiche“ Seiten leben, die viele heterosexuelle Männer sich nicht erlauben, obwohl sie sie – so Rauchfleisch – gleichermaßen besitzen. Zudem fühlten sich diejenigen heterosexuellen Männer, deren Verhältnis zu anderen Männern hauptsächlich von Rivalität geprägt ist, oft davon provoziert, dass ein Schwuler mit einem anderen Mann intim verbunden ist. Der Glaube, dass Geschlechterrollen und Männlichkeit durch Homosexualität drastisch infrage gestellt würden, führe zu einer tiefgreifenden Verunsicherung der Betroffenen, die sie sich aber nicht eingestehen, sondern durch Abwertung Homosexueller abwehren.
Das „Abweichende“ schlechthin
Zum einen stellen Lesben und Schwule durch ihre sexuelle Orientierung und z. T. durch ihre Lebensweisen Normen infrage, so dass sie in eine Außenseiterposition gedrängt würden. Zum anderen ist aus der Sozialpsychologie bekannt, dass Aggressionen, die eigentlich Autoritäten gelten, auf vermeintlich Schwächere, auf Minderheiten umgelenkt werden (s. o.: Adorno). Studien[74] belegen, dass solche Aggressionen schnell auf andere Minderheiten verschoben werden können, beispielsweise auf Juden oder Ausländer.

Bearbeiten Wissenschaftliche Untersuchungen

Die These, dass Homophobie auch durch Abwehr eigener schwuler oder lesbischer Anteile verursacht werde, wird durch eine Untersuchung gestützt, die Professor Henry E. Adams im Jahr 1996 an der University of Georgia durchgeführt hat.[75] Dabei wurde festgestellt, dass 54,3 % der 35 homophoben Probanden (zum Vergleich: 24,1 % der 29 nicht homophoben Probanden), sexuell eindeutig erregt wurden beim Betrachten von Videos, die sexuelle Handlungen zwischen Männern zeigten. An der Untersuchung nahmen insgesamt 64 Männer teil, die sich alle selbst als ausschließlich heterosexuell bezeichnet hatten.[76]

[76]Tumeszenz   kaum  mäßig  eindeutig 
 homophobe Männer 10 % 26 % 54 %
 nicht homophobe Männer  66 % 10 % 24 %

Die Frage nach vergleichbaren Untersuchungen mit weiblichen Homosexuellen ist hier noch ungeklärt,[77] obwohl bei Frauen alle anatomischen Voraussetzungen gegeben sind.[78]
Siehe auch Abschnitt „Diskriminierung von (männlicher) Homosexualität“.

Diese Untersuchungsergebnisse werden in der Psychologie so interpretiert, dass homophobe Einstellungen mancher Männer auch dadurch entstehen, dass sie sich mit eigener sexueller Erregung durch Männer nicht auseinandersetzen wollen.[79]

Der Soziologe Robb Willer von der Cornell University überprüfte 2004 die maskuline Überkompensationstheorie der Psychologie. Die Untersuchung zeigte, dass in ihrer Maskulinität verunsicherte Männer stärker zu Macho-Einstellungen neigen, was sich auch in einer erhöhten Neigung zu Homophobie zeigte. 111 männliche und weibliche Probanden füllten einen Fragebogen aus, der Rückschlüsse über ihre Geschlechtsidentität zulassen sollte. Man teilte die Probanden in zwei Gruppen und sagte ihnen unabhängig von den tatsächlichen Antworten, dass der Test auf eine eher männliche oder weibliche Identität schließen lasse. Danach wurden Einstellungsfragen gestellt, wo sich bei den Männern die Auswirkungen des Feedbacks zeigten. In ihrer männlichen Identität erschütterte Probanden zeigten mehr Unterstützung für ein Verbot gleichgeschlechtlicher Ehe, mehr Opposition zur Lesben- und Schwulenbewegung, und sagten öfter, dass es falsch sei homosexuell zu sein. Sie zeigten auch mehr Zustimmung zum Irakkrieg und mehr Interesse ausschließlich für ein Sport Utility Vehicle (SUV) und keinen anderen Autotyp. Diese Einstellungen waren in einer früheren Studie als „typisch männlich“ identifiziert worden. Auch zeigten sie sich mehr beschämt, schuldig, bestürzt und feindselig. Bei Frauen änderte sich das Antwortverhalten in dieser Untersuchung nicht.[80]

Bearbeiten Soziologische Perspektive

Manche Beobachter führen homophobes Verhalten auf eine fehlende wirtschaftliche, technische, kulturelle, bzw. intellektuelle Prosperität zurück.[81]

Gesellschaftskritische Analysen von Homophobie entstanden und entstehen in jüngerer Zeit vor allem im Umkreis der Queer Theory. Insbesondere Eve Kosofsky Sedgwicks Arbeiten sind diesbezüglich von Bedeutung.

Bearbeiten Einordnung in andere negativ wahrgenommene Gruppen

Im Jahre 2002 führte die Forschungsgemeinschaft für Konflikt- und Sozialstudien im Zuge einer Befragung auch eine Untersuchung über „Hassgruppen“ in der deutschen Gesellschaft durch. Die Befragung erfolgte mittels postalisch zugesandten Fragebögen an zufällige Adressen aus einer Kartei, von denen 1.846 zurückgesandt wurden. In den angewendeten Fragestellungen ging es um vorstellbare Begegnungen in der Lebenswelt und um dabei auftretende „spürbare Abneigungen“. Die Einstellungen, Vorurteile und Stereotype können die Basis für diskriminierendes, ausschließendes und aggressives Verhalten sein. Die Mehrheit der Antworten (80 %) stammten aus dem Osten Deutschlands, ein Teil aus dem Westen Deutschlands (20 %), wobei sich in dieser Untersuchung in der Häufigkeit der Ablehnung keine großen Unterschiede zeigten. Quantitativ zeigte sich eine Hierarchie der „Hassgruppen“:[82]

  1. Personen mit rechtsradikalem Outfit lehnten 82 % der Befragten ab
  2. Drogenabhängige wurden von 70 % der Befragten abgelehnt
  3. Ein Mix aus Einwanderndern aus Osteuropa, Haftentlassenen, Menschen arabischer Herkunft, Personen türkischer Herkunft, Obdachlosen, Menschen, die reich aussehen, Menschen mit HIV-Infektion, Schwulen und Lesben, Straßenkindern, Ausländern allgemein wurde von 50 % bis 20 % der Befragten abgelehnt.
  4. Ein Mix aus Menschen jüdischer Herkunft, mit dunkler Hautfarbe, asiatischer Abstammung, denen man Armut ansieht wurde von 20 % bis 15 % abgelehnt.
  5. Ein Mix aus Arbeitslosen , jungen Menschen, Menschen mit Behinderung und alten Menschen wurde zwischen 15 % und 6 % abgelehnt.

Allgemein wurde festgestellt, dass die Gründe für Abneigung nicht Unterschiedlichkeit, Aussehen oder negatives Verhalten der Gruppen waren, sondern dass Gefühle wie Angst und Furcht gegenüber Menschen, die anders sind, großen Einfluss haben. Die Menschen fürchten um den Verlust ihrer eigenen Kultur, ihrer Normen und ihrer Werte, um ihre Identität. Die Mitglieder anderer Gruppen werden abgewertet um den Status und Wert der eigenen Gruppe zu stärken. Bei dem Mix der dritten Kategorie waren die meisten angegeben Gründe:

  1. Ich habe persönlich negative Erfahrungen mit ihnen gehabt. (34 %)
  2. Ihr Äußeres gefällt mir nicht. (31 %)
  3. Ich mag sie einfach nicht. (27 %)
  4. Sie leben wie Parasiten. (26 %)
  5. Sie sind mir irgendwie zu fremd. (21 %)

Unterteilt man die einzelnen Gruppen in „ethnisch-kulturelle“ Merkmale, „biologische“ Merkmale (Homosexuelle, Junge Menschen, Menschen mit Behinderung, Alte Menschen), „verschiedener sozialer Positionierung“ und Gruppen mit „besonderem Verhalten“, so sind die Top-Ablehnungsgründe für die „biologische“ Gruppe:

  1. Sie sind gefährlich
  2. Sie passen sich nicht der Allgemeinheit an
  3. Sie haben ein schlechtes Benehmen

Auf den letzten Plätzen rangieren allgemein Arbeitsmarktkonkurrenz und persönliche Erlebnisse. Dies zeigt sich auch bei der Gruppe der Schwulen und Lesben:[83]

Hauptgrüde für negative Empfindungen gegenüber Schwulen und Lesben
D-West D-Ost
Abneigung Ja Teils Ja+Teils Ja Teils Ja+Teils
Befragte 14 % 16 % 30 % 10 % 18 % 28 %
Rang Grund  % von
Ja+Teils
Grund  % von
Ja+Teils
1.) Sie passen sich nicht der Allgemeinheit an 70 % Sie sind gefährlich 55 %
2.) Es sind zu viele in diesem Land 68 % Sie passen sich nicht der Allgemeinheit an 52 %
3.) Sie haben ein schlechtes Benehmen 61 % Ich mag sie einfach nicht 46 %
- Ich habe persönlich negative Erlebnisse
mit ihnen gehabt
48 % Sie nehmen uns Arbeitsplätze weg 26 %
- Sie nehmen uns Arbeitsplätze weg 36 % Ich habe persönlich negative Erlebnisse
mit ihnen gehabt
17 %

Bearbeiten Phänomenbeschreibung und Erklärungsmodell

Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) versehen. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Homophobie ist eine Form kollektiver Angst in kulturellen Gesellschaften und Gruppierungen, die ihr durch strikte Geschlechtsunterscheidungen und starre Rollenverteilungen geprägtes Weltbild durch gleichgeschlechtliche Empfindungen und Verhaltensweisen bedroht sehen. Da ein Teil der Menschen (nach zahlreichen statistischen Untersuchungen zwischen 5 und 10 %) aufgrund ihrer psychosexuellen Veranlagung diesen Rollenerwartungen nicht entsprechen kann, richtet sich die Homophobie in Form von Hass und Aggression gegen diese Minderheit mit dem Ziel ihrer Beseitigung. Diese Tendenz kann sich in unterschiedlichster Form gegenüber den Normabweichlern äußern: in Verächtlichmachung, Ekel und sozialer und beruflicher Ausgrenzung, in dem Ruf nach Bestrafung oder Umerziehung, in der Suche nach Verhinderungsmethoden (z. B. hormonelle Behandlung von Schwangeren, siehe Günter Dörner) oder therapeutische Behandlung (versch. Psychotherapien, Elektroschocktherapie usw.) bis hin zur Tötung (Hexerverfolgung im Mittelalter, Vernichtung durch Arbeit im Dritten Reich, Hinrichtungen in verschiedenen arabischen Ländern, Fememorde auch in Deutschland). Homophobie wird so zum dauerhaften gesellschaftlichen Problem, dem nur durch Antidiskriminierungsgesetze und permanente Aufklärung, vor allem in den Schulen, wirksam entgegengesteuert werden kann.

Zum individuellen Problem wird die Homophobie insofern, als sie sich gegen die in fast jedem Menschen (in unterschiedlicher Stärke) vorhandenen gegengeschlechtlichen Anteile (siehe Kinsey-Skala) richtet, und ein stark homophob geprägtes Individuum zur Abspaltung dieser Anteile und ihrer Verdrängung ins Unbewusste und/oder zur Projektion auf andere zwingt. Gelingt das nur teilweise oder gar nicht, entsteht Selbsthass, der sich zerstörerisch gegen die eigene Person richtet, aber auch Hassreaktionen gegen andere auslösen kann, die gleichgeschlechtliches Verlangen in dem Individuum auslösen.

Die gesellschaftliche Homophobie wird besonders gefährlich dadurch, dass der Abscheu vor gleichgeschlechtlichen Empfindungen unter ihrem Einfluss von den Kindern schon vor der Pubertät verinnerlicht und mehr oder weniger fester Bestandteil ihrer Persönlichkeitsstruktur wird. Mit dem Erwachen der genitalen Sexualität in der Pubertät sind diese Kinder und Jugendliche zur Aufrechterhaltung ihres Selbstwertgefühls gezwungen, sich durch immer stärkere homophobe Abwehrmechanismen vor den eigenen Gefühlen zu schützen, was wiederum Hassprojektionen in verschiedene Richtungen (nicht nur gegen Homosexuelle) auslöst und bis zu einzeln oder kollektiv begangenen Gewaltexzessen (zum Beispiel „Schwulenklatschen“) oder gar zu Tötungshandlungen führen kann. Ist der eigene gleichgeschlechtliche Triebanteil eines homophob geprägten Individuums so stark, dass ihm die Abwehrmechanismen nicht standhalten, kann es (besonders unter dem Einfluss religiöser Schuldgefühle) zu Autoaggressionshandlungen wie genitale Selbstverstümmelungen und Selbstmord kommen, was in unserem Kulturkreis selten geworden ist.

Da pubertierende Jugendliche ihre Identitätssuche an den Rollenerwartungen ihrer jeweiligen Peergroups und ihre sozialen Umfeldes und an der veröffentlichten Meinung in den von ihnen bevorzugten Massenmedien ausrichten und diesen noch keine selbstbestimmten Werte entgegensetzen können, sind sie homophoben Einflüssen besonders schutzlos ausgeliefert. Besonders gefährdet, homophoben Einflüssen und Vorurteilen zu erliegen, sind derzeit in der Bundesrepublik Jugendliche aus Kulturkreisen mit stark religiös fundierter Homophobie.


Bearbeiten Gegenaktionen

Nachdem die Welt ab den 1930ern allgemein etwas konservativer wurde, die erste Welle der Homosexuellenbewegung in Europa durch die Nationalsozialisten und den Zweiten Weltkrieg zum Stillstand gekommen war und die durch Anpassung Anerkennung suchende Homophilen-Bewegung der 1950er und 1960er in den USA und in Europa keine besonderen gesellschaftlichen Veränderungen brachte, wehrten sich in der Nacht vom 27. Juni zum 28. Juni 1969 im Stonewall Inn in New York City erstmals Schwule gegen die herabwürdigende und beleidigende Behandlung durch Polizisten. Dieses Ereignis und die darauffolgenden Demonstrationen gingen als „Stonewall“ in die Geschichte ein und initiierten die zweite Phase der Lesben- und Schwulenbewegung.

Das Europäische Parlament hat am 18. Januar 2006 eine Entschließung zu Homophobie in Europa verabschiedet. Es „verurteilt schärfstens jede Diskriminierung auf der Grundlage der sexuellen Ausrichtung“.[84]

Am 17. Mai wird jährlich der International Day Against Homophobia begangen.

Bearbeiten Abgrenzung gegenüber anderen Begriffen

Heterosexismus beschreibt die oft subtile gesellschaftliche Neigung und das ideologische System, jede Form von Identität, Verhalten, Beziehung oder Gemeinschaft, welche nicht eindeutig der auf Heterosexualität basierenden sozialen Norm entspricht zu verleugnen, verunglimpfen und stigmatisieren.[85] Er ist zu verstehen als eine auf Heteronormativität gründende und nicht hinterfragte gesellschaftliche Setzung heterosexueller Lebensentwürfe und -weisen, als die sexuelle „Normalität“, die z. B. die schwule und lesbische Existenz als Randerscheinung oder weniger „natürliches“ Phänomen, als bloße „sexuelle Vorliebe“ abhandelt.[4] Der Begriff Heterosexismus verweist eher auf Arroganz oder Chauvinismus als Ursache des ablehnenden Verhaltens. Heterosexismus richtet sich gegen homosexuelle, bisexuelle, transgender, aber auch androgyne Menschen.

Homophobie bezeichnet dagegen eine soziale, gegen Lesben und Schwule aber gegebenenfalls auch gegen Bisexuelle gerichtete Aversion bzw. Feindseligkeit. Die Biphobie[86] bezeichnet das Unverständnis und die Abneigung gegen Bisexuelle durch beide Extreme der sexuellen Orientierung. Teilweise wird auch die Vereinnahmung durch beide Gesellschaftsextreme als solches empfunden. Transphobie[87] beschreibt Abneigung und dadurch entstehende Diskriminierung transgender oder transsexueller Menschen, basierend auf ihrer internen Geschlechtsidentität, die zumindest längere Zeit nicht mit ihrer körperlichen Identität übereinstimmt.

Eng zusammenhängend sind damit die Geschlechterrollen, da jedes abweichende Verhalten als geschlechtsrolleninkonform wahrgenommen wird und dies bei den folgenden Begriffen eine entscheidende Rolle spielt. Der Feminismus hat das Ziel die Gleichheit, Menschenwürde und Entscheidungsfreiheit von Frauen, die Selbstbestimmung über deren Leben und ihren Körper, zu erreichen. Der Maskulismus dagegen versteht sich als soziale Bewegung zur Korrektur bestimmter politischer Entwicklungen, für die er den Feminismus verantwortlich macht, und zur Stärkung der Position von Männern in der Gesellschaft. Die Misogynie trifft vor ellem jene Frauen, die nicht unter die „aktuellen kulturellen Akzeptanzkategorien“ der sozialen Rolle von Weiblichkeit fallen. Dies trifft oft auch auf Transgender und Lesben zu. Die Misandrie kann aus dem Feminismus heraus, das bekämpfte Patriarchat und gegen einen Maskulinismus entstehen. Geschlechtsrolleninkonformes Verhalten spielt hier selten eine Rolle. Misogynie und Misandrie werden als Sexismus betrachtet.

In der extremen Ausformung der Queer-Theorie und auch selten bei nicht bewusst in dieser Theorie verhafteten bi- und homosexuellen Frauen und Männern wird prinzipiell alles, was der Heteronormativität entspricht in Frage gestellt, manchmal auch das Andere als absolut überlegen dargestellt. Dann kann man von Heterophobie sprechen, die aber in ausgeprägter Form selten vorkommt. Auch ein Unverständnis und eine Abneigung aus schlechter Erfahrung gegenüber fest in der sozialen Norm lebende Menschen, die einen selber nicht verstehen kann als Heterophobie wahrgenommen werden, muss ihr aber nicht entsprechen.

Übersicht über Abwehrformen gegen Teilbereiche sexueller Identität

Ideologie
Weltanschauung
  Abwehrform Aversion bis
Feindseligkeit gegen
Identitätsform
 Heteronormativität 
Heterosexismus nicht Heteronormative
Soziale Norm     (Hetero)
  Biphobie (en)   Homophobie   Bi- & Homosexuelle   Sexuelle Orientierung
    Transphobie (en)     Transgender    Geschlechtsidentität 
 Feminismus    Maskulismus   Sexismus:  Misogynie / Misandrie    Frauen / Männer   Geschlechterrolle
Queer Theory     Heterophobie (en)     Heteronormativität