Führerkult.html

 
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Personenkult ist eine in religiöse Dimensionen ragende bzw. die Religion ersetzende Verehrung von lebenden Führungsfiguren im Bereich der Gesellschaft und Politik. Formen des Personenkultes sind Merkmal vieler Diktaturen, er kann aber auch in demokratischen Gesellschaftssystemen entstehen. Ausgeprägten "Personenkult" gab es zum Beispiel im Römischen Reich um Caesar (siehe auch 46 v. Chr.) und im Nationalsozialismus um Adolf Hitler.

Geprägt wurde der Begriff historisch durch den sowjetischen Politiker Chruschtschow im Jahre 1956 durch seine Rede auf dem 20. Parteitag der KPdSU, in der er den Personenkult um Josef Stalin und den Stalinismus verurteilte. Dazu berief sich Chruschtschow auch auf Schriften von Karl Marx, welcher bereits Tendenzen zum Personenkult in Gesellschaften kritisierte. Chruschtschow erklärte in seiner Rede hierzu[1]:

Wir haben uns mit der jetzt und zukünftig für die Partei überaus wichtigen Frage zu befassen, wie der Kult mit der Person Stalins sich allmählich entfalten konnte, dieser Kult, der in einer ganz bestimmten, konkreten Phase zur Quelle einer Reihe außerordentlich ernster und schwerwiegender Verfälschungen der Parteigrundsätze, der innerparteilichen Demokratie und der revolutionären Gesetzlichkeit wurde.

Das erste Denkmal für Atatürk wurde am 6. November 1926 enthüllt. Es steht am Goldenen Horn in Istanbul

Allgemein entsteht in vielen Nationalstaaten, häufig aber auch unbemerkt, ein Kult um die Ahnen der Nation (Hermannsdenkmal), deren Gründer (Bismarck-Kult, Lenin-Kult, Mao-Kult, George Washington in der USA, Mustafa Kemal Atatürk in der Türkei), oder sogenannte Nationalhelden wie z.B. der Vorkriegskult um Nogi Maresuke in Japan. Diese Verehrung bereits verstorbener Personen unterscheidet sich aber in einigen wichtigen Grundzügen vom eigentlichen Personenkult, der sich auf eine lebende Person bezieht.

Personenkult ist zu unterscheiden sowohl vom Starkult als auch von der Heiligenverehrung.

George-Washington-Statue in Manhattan
Stalin auf einer DDR-Briefmarke
Porträt Mao Zedongs am Eingang zur Verbotenen Stadt

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Merkmale

Merkmale von Personenkult können sein:

  • übertrieben devote Haltung aller öffentlich auftretenden Personen zum Führer
  • unkritische Rezeption aller Äußerungen der gehuldigten Person in der Öffentlichkeit
  • Verfolgung kritischer Haltungen gegenüber der gehuldigten Person, teilweise mit Gefahr für Leben und Gesundheit des Kritikers, Verhaftung oder "Verschwindenlassen" von Regimekritikern
  • übertriebene Präsenz von Bildnissen und Losungen (Huldigungen an diese Person oder Aussprüche derselben), zum Beispiel in Privathäusern, Schulen oder Betrieben, sowie in sämtlichen Medien
  • Benennung von Betrieben, öffentlichen Gebäuden, Schulen, Straßen, Plätzen, Sportstätten, Städten nach dem Führer (zum Beispiel Stalinstadt)
  • Herstellung von (bei kritischer Betrachtung oft absurden) Zusammenhängen zwischen der Person des Führers und sämtlichen Lebensbereichen.

Nach Ende der Herrschaft des Diktators setzt in der Regel eine Umkehrung ein: Umbenennungen werden rückgängig gemacht, öffentliche Bildnisse entfernt, mit dem Personenkult verbundene Schriften und Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum (Büchereien, Galerien) entfernt. Siehe auch als Beispiel: Entstalinisierung.

Bearbeiten Beispiele

Bearbeiten Turkmenistan unter Nyýazow

In Turkmenistan wurde um dessen 2006 verstorbenen Präsidenten Saparmyrat Nyýazow, der sich selber den Beinamen Türkmenbaşy („Führer aller Turkmenen“) gegeben hatte, ein ausgeprägter Personenkult betrieben. Nach Nyýazow wurden u.a. die Stadt Türkmenbaşy, Schulen und Flughäfen benannt, und er wird in der Nationalhymne glorifiziert. Bilder und (teilweise goldene) Statuen des Präsidenten finden sich überall in Turkmenistan.[2] Sogar die Monate und die Wochentage wurden zu Ehren von Nyýazow umbenannt. Der Monat Januar wurde in "Türkmenbaşy" umbenannt, der April nach dem Namen seiner Mutter. Das angeblich von Nyýazow verfasste Buch Ruhnama stellt für Bildungseinrichtungen in Turkmenistan eine Pflichtlektüre dar und liegt in den Moscheen neben dem Koran aus.

Bearbeiten Nordkorea

Beispiele für bis heute anhaltenden Personenkult sind in Nordkorea (Kim Il Sung und Kim Jong Il).

Bearbeiten Arabische Diktaturen

In arabischen Diktaturen wie zum Beispiel Libyen (Muammar al-Ghaddafi) ist die Bezeichnung Personenkult zumindest problematisch, da der strikte Monotheismus des Islam einem allzu ausgeprägten Personenkult Grenzen setzt. Jedoch gab es im nicht religiös geprägten Irak unter Saddam Hussein eine Form des Personenkultes.

Bearbeiten Realsozialismus

Lenin-Statue in Sankt Petersburg (ehem. Leningrad)

Personenkult in realsozialistischen Diktaturen meinte die Herrschaft Stalins in der Sowjetunion und davon abgeleitet in den anderen Staaten des sozialistischen Lagers (Beispiele siehe unter Stalinstadt), um Mao Zedong in der Volksrepublik China, um Bolesław Bierut in Polen, um Nicolae Ceauşescu in Rumänien und um Enver Hoxha in Albanien. In Vietnam entstand auch eine (andere) Art des Personenkultes um Ho Chi Minh.

Ho-Chi-Minh-Mausoleum

Bearbeiten Kuba

Guevara-Mausoleum in Santa Clara

Auf Kuba wird durch Fidel Castro ein wahrer Kult um dem argentinischen Revolutionär Ernesto Che Guevara betrieben. So wird in Schulen, öffentlichen Ämtern, Universitäten, usw. stets Guevara neben Castro angebracht. Dies erreichte seinen Höhepunkt als 1997 die Gebeine Guevaras von Bolivien nach Kuba überführt wurden und eigens dafür ein Mausoleum mit einer riesigen Statue in Santa Clara errichtet wurde. Unter anderem da Guevara keine lebende Person ist, ist hierbei allerdings die strikte Definition eines Personenkultes nicht erfüllt.

Aber auch um Castro selbst wird ein Personenkult betrieben, so sieht man sein Bildnis und einiger seiner politischen Grundsätze in vielen Orten an Häuserfasaden und Plakatwänden.

Bearbeiten Papsttum

Denkmal für Johannes Paul II. vor der Catedral de la Almudena in Madrid

Durch die starke Stellung des Papstes innerhalb der Katholischen Kirche entwickelte sich auch um ihn ein Personenkult, so werden Gebrauchsgegenstände wie Tassen, Gläser, CDs, T-Shirts und Christbaumkugeln mit dem Bildnis des Papstes im Vatikan zum Verkauf angeboten, besonders ausgeprägt war dies bei Johannes Paul II.. Auch im Herkunftsland Johannes Pauls II., in Polen, genießt er sakrale Verehrung, so wollte man nach dem Tod des Papstes dessen Herz dorthin überführen.

Bearbeiten Einzelnachweise

  1. zitiert aus: Radiobeitrag des Deutschlandfunks zur Rede von Chruschtschow
  2. vgl. Artikel zum Tod von Nyýazow, BBC, 21. Dezember 2006 (englisch)

Bearbeiten Literatur

  • Balázs Ápor, Jan C. Behrends u.a. (Hg.): The Leader Cult in Communist Dictatorships. Stalin and the Eastern Bloc, New York: Palgrave 2004.
  • Heidi Hein: Historische Kultforschung. In: Virtuelle Fachbibliothek Osteuropa, Digitales Handbuch zur Geschichte und Kultur Russlands und Osteuropas, Band 13

Bearbeiten Weblink

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