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Die Externsteine ˈɛkstɐnʃtaɪnə sind eine markante Sandstein-Felsformation im Teutoburger Wald und eine herausragende Natursehenswürdigkeit in Deutschland. Sie befinden sich im Horn-Bad Meinberger Stadtteil Holzhausen-Externsteine im Kreis Lippe im Nordosten von Nordrhein-Westfalen.
Bearbeiten EtymologieDie Namensherkunft der Felsen ist nicht eindeutig geklärt; es existieren mehrere Deutungen. Die heutige Schreibweise Externsteine scheint auf jeden Fall erst Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommen zu sein. Für das 18. und 19. Jahrhundert sind vorwiegend Formen wie Eggster-, Eggerster- und Egistersteine belegt. Demnach werden gemeinhin die Wörter Egge und Elster als die zwei wahrscheinlichsten Ursprungsmöglichkeiten angesehen. Eine Verwandtschaft mit dem lateinischen externus (= äußerlich, außerhalb befindlich) kann dagegen ausgeschlossen werden. Gemäß einer Herleitung von der alten mittelniederdeutschen Landschaftsbezeichnung Egge für einen lang gestreckten Hügelkamm oder einen Felsgrat würde der Name Egerstein also im Sinne von „Steine an der Egge“ zu deuten sein. Dies trifft geografisch gleich doppelt zu, da die Felsen einerseits selbst einen lang gestreckten Grat bilden und sie andererseits fast genau am Beginn des Eggegebirges liegen, dessen Name sich ebenso herleitet. Im Zusammenhang mit der vorgenannten Vogelart würde der Name hingegen „Elsternfelsen“ bedeuten. Ob diese Rabenvögel in früheren Zeiten dort tatsächlich als prägende Standvögel ansässig waren, ist ungewiss. Heute sind sie dort nur selten anzutreffen. Bereits um 1564 benutzten jedoch die beiden regionalen Theologen und Chronisten Hermann Hamelmann und Mauritius Piderit die Bezeichnung Rupes picarum (lat. „Felsen der Elstern“). Schließlich taucht das ostwestfälische Wort Eckster (vgl. lippisch Aigster, mhd. Agelster) auch im Namen der benachbarten Lippischen Gemeinde Extertal auf. Bearbeiten Geologie
Wollsackverwitterung an den Externsteinen
Die Felsgruppe ragt in der sonst weitgehend steinfreien Umgebung bis zu 40 Meter in die Höhe und erstreckt sich linienförmig über mehrere Hundert Meter Länge. Sie beginnt etwas versteckt im Wald mit vereinzelten kleinen Felsen und zieht sich hin bis zu den gut sichtbaren, 13 relativ freistehenden Einzelfelsen. Diese Felsenburg besteht aus relativ hartem und daher ziemlich verwitterungsresistentem Osning-Sandstein. Dieser wurde in der Unteren Kreidezeit vor etwa 120 Millionen Jahren am Rande eines großen Meeres gebildet, das damals einen Großteil des nördlichen Mitteleuropa bedeckte.[1]
Tafoni-Strukturen an den Externsteinen
Die Felsen sind ein Teil der mittleren Gebirgskette des Teutoburger Waldes, sie liegen genau im Südosten dieses Mittelgebirges angrenzend an das Eggegebirge. Im Zuge der Gebirgsbildung, der so genannten saxonischen Rahmenfaltung vor etwa 70 Millionen Jahren wurden die ehemals waagerecht liegenden Gesteinsschichten dann lokal genau senkrecht gestellt.[2] Durch die hier gut zu erkennende, eigentlich für Granit, aber auch für besonders massiven Sandstein typische Wollsackverwitterung sowie anschließende Erosion an der Oberfläche bekamen die Felsen ihre jetzige, etwas bizarr anmutende Form. Die geologische Bedeutung der Externsteine wurde am 12. Mai 2006 mit der Auszeichnung als „Nationales Geotop“ durch die Akademie für Geowissenschaften zu Hannover gewürdigt.[3] Bearbeiten Naturschutz
Blick von den Felsen über den Wiembecke-Teich
Bereits 1926 wurden die Externsteine als „eines der ältesten und bedeutendsten Naturschutzgebiete im Kreis Lippe“ unter Schutz gestellt.[4] Rund um die Felsen wurde dann 1953 die grundlegende, anschließend mehrfach geänderte NSG-Verordnung[5] für das damals gut 140 Hektar große Gebiet in einer Höhenlage von 235 bis 318 m über NN erlassen.[2] Ab 1970 war das Gebiet durch ordnungsbehördliche NSG-Verordnung des Regierungspräsidenten Detmold geschützt.[6] Seit 1997 sind die Externsteine nun im zuletzt 2005 geänderten Landschaftsplan „Horn-Bad Meinberg/Schlangen-Ost“ des Kreises Lippe als Naturschutzgebiet festgesetzt.[4] Heute wird das noch etwa 127 ha große Naturschutzgebiet (NSG) „Externsteine“[7] vom Landesverband Lippe (LVL) unterhalten, der auch Eigentümer der Felsen ist. Die Felsen selbst stehen gleichzeitig unter Kultur- und Naturdenkmal-Schutz. Das Gebiet ist von europäischer Bedeutung, was auch durch die Natura 2000-Unterschutzstellung[8] im Rahmen der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie dokumentiert ist. Insgesamt fast 10 km lange Wanderwege erschließen das auf Grund „seiner Geologie und kulturhistorischen Bedeutung landesweit einmalige Gebiet“,[8] das „eins der größten Vorkommen von Silikatfelsen und trockenen Heiden in NRW“[8] aufweist. Aus Naturschutzsicht besonders wertvoll sind nicht nur die Felsen selbst mit ihrer seltenen Vegetation (vor allem Farne, Moose und Flechten), sondern auch die auf den benachbarten Bergkämmen Knickhagen und Bärenstein vorhandene Bergheide mit kleinflächig vorhandenen Hangmooren. Dort wachsen unter anderem Wacholder, Moor- und Sandbirken, Blaubeeren, Seggen, Binsen, Borstgras, Pfeifengras, Besenheide und Torfmoose.[9] Neben den im Gebiet vorrangig zu schützenden Erlen-Eschenwäldern[8] sind zudem als Kulturlandschaftselemente einige Alteichenbestände ehemaliger Hutewälder bedeutend, die durch die mittelalterliche, Berghude genannte Beweidung entstanden. Des Weiteren sind größere Vorkommen von Ilex im artenreichen Wald des NSG erwähnenswert.[10] Relevant für die Unterschutzstellung des Gebietes sind insbesondere die (Brut-)Vorkommen folgender geschützter Tierarten: Mittelspecht (Dendrocopos medius), Schwarzspecht (Dryocopos martius), Grauspecht (Picus canus), Nördlicher Kammmolch (Triturus cristatus)[7] und Eremit (Osmoderma eremita).[8] Historisch interessant ist das ehemalige Vorkommen des seltenen Lebermooses Harpanthus scutatus an den Felsen. Es wurde dort zuletzt 1947 nachgewiesen. Damals galt der Standort als das letzte Vorkommen in Nordrhein-Westfalen; erst seit den 1990er Jahren sind wieder einige wenige Stellen im Eggegebirge als Standorte bekannt.[11] Die Flächen werden heute mit Naturschutz-Mitteln unter anderem durch die „Biologische Station Lippe“[10] gepflegt. Bearbeiten Beschreibung der FelsenDie Externsteine liegen auf einer Linie, die grob gesehen von Südosten nach Nordwesten verläuft. Im Südosten verschwinden sie in den ansteigenden Hängen des Knickenhagen, im Nordwesten im Bärenstein. Zwischen der Felsengruppe und dem Hang des Bärensteins hat sich ein kleiner Bach, die Wiembecke, einen Weg gesucht. Seine Quellen liegen weiter oben im Westen an den Hängen des Teutoburger Waldes. Die Wiembecke fließt weiter nach Horn. Unweit der Felsen wurde der Bach aufgestaut, so dass heute ein langgestreckter See das Tal der Wimbeke oberhalb der Felsen ausfüllt. Die einzelnen Felsen werden von Nordwesten nach Südosten gezählt.[12] Der am weitesten nordwestlich, direkt im Tal der Wiembecke aufragende Fels wird Felsen 1 genannt. Schreitet man von dort weiter in Richtung Südosten, schließt sich der markante Felsen 2 an, der wegen seiner Gestalt von jeher als Turmfels angesprochen worden ist. Zwischen den beiden befindet sich ein kleinerer Fels, nahe über dem Boden mit Fels 1 verbunden, so dass der große Fels 1a, der kleine Fels 1b genannt wird. Man nennt den großen Felsen 1a auch nach einer in ihm gelegenen Grotte den Grottenfels. Auf den Turmfels (Nr.2) folgt wieder ein niedrigerer, der, weil die Treppe zur Höhe des Turmfelsens sich an seinen Seiten emporwindet, als Treppenfels bezeichnet wird. Eine mächtige Kluft, durch die seit etwa 200 Jahren eine Straße führt, trennt den Treppenfelsen von Fels 4, auf dem ein mächtiger Brocken lose liegt, der für das Auge abzustürzen droht. Nach diesem wackligen Stein spricht man vom Wackelsteinfelsen. Er wird überragt von dem anschließenden Felsen 5, der nach einem am Gipfel sichtbaren, nach Südosten blickenden Männerkopf der Ruferfelsen genannt wird. Etwa acht weitere Felsen folgen in südöstlicher Richtung, die noch wenig untersucht wurden. Die beiden Seiten der Felsenreihe unterscheiden sich grundsätzlich. Auf der Nordostseite der Felsen nimmt man eine Fülle von Bearbeitungsspuren wahr. Auf der nach Südwesten blickenden Seite sind nur wenige Spuren zu finden. Der Eindruck der mächtig aus dem Boden aufsteigenden Felsen hat seine Ursprünglichkeit hier gewahrt, während die Nordostseite derart von Menschenhand überformt ist, dass der Eindruck einer Ruine entsteht. Man hat daher die Nordostseite die Vorderseite genannt, die andere die Rückseite.[13] Die Beschreibung konzentriert sich im weiteren naturgemäß auf die Vorderseite (NO). Die wichtigsten Spuren am Grottenfels (Nr. 1a) sind die Höhlen, die Treppenanlage, das Gipfelplateau und das berühmte Felsenrelief der Kreuzabnahme. Der Gipfel ist plateauartig eingeebnet worden, so dass sich über der von Klüften zerrissenen Oberseite des Grottenfelsens eine gleich hohe Fläche erstreckt. Etwa 2 m unterhalb des Gipfels ist auf der Südwestseite die Grundfläche eines winkelförmig um den Gipfel gelagerten Raumes zu sehen. Der Fels trägt spätestens seit 1663, wahrscheinlich schon länger, einen Treppenaufgang. Zwischen Turmfels und Grottenfels beginnt die Treppe, die zunächst auf den Gipfel des Felsens 1b führt und von dort zum Gipfel des Grottenfelsens (1a). Spuren älterer Treppenanlagen sind vorhanden. Zwischen dem Grottenfelsen und Fels 1b ist ein Spalt mannshoch zu einem Gang verbreitert worden, der auf die Rückseite der Felsen führt. Die Grotte selbst umfasst drei Räume, die längs der Nordostseite gelegen sind, untereinander verbunden. An der südöstlichen Schmalseite des Felsens ist der Eingang zu der urtümlich anmutenden Kuppelgrotte. Neben dem Eingang steht eine undeutlich aus dem Felsen herausgearbeitete Gestalt mit einem Schlüssel, die oft als Petrus verstanden wird.[14] Die Kuppelgrotte ist unten schmal und weitet sich oben zu einer Kuppel. Ihre unregelmäßige Form, die nur an wenigen Stellen Meißelspuren trägt, hat die etwa vier Meter lange Grotte durch Feuereinwirkung erhalten.[15] Durch einen schmalen Korridor gelangt man in die rechteckige nach NW sich erstreckende Hauptgrotte. Sie hat wie alle Wände bezeugen ihre Kastenform mit Hilfe von Hammer und Meißel erhalten. Ihre auffallendste Einrichtung ist ein halbkugelförmiges Becken von ca. 1,25 Meter Durchmesser, das an der Südwestwand in den Boden eingesenkt ist. Zwei Türöffnungen, die eine schmal und rechteckig, die andere breit und torbogenförmig, geben dem Raum Licht. Neben der rechteckigen Tür finden sich eine mittelalterliche Inschrift[16] und eine Fratze. Der dritte ebenfalls kastenförmige Raum schließt am Nordwestende der Hauptgrotte an und erstreckt sich im rechten Winkel zur Hauptgrotte in Richtung Nordosten. Seine Wände sind ebenfalls bearbeitet. Die Südostseite des Raumes birgt zwei rechteckige Vertiefungen, eine davon mannshoch, die andere ein Quadrat in Herzhöhe. An der gegenüberliegenden Wand befindet sich am Rande einer Feuerstelle ein großes runenartiges Zeichen, das in den bekannten Alphabeten nicht vorkommt. Die Außenwand ist durch ein großes Fenster durchbrochen, unter dem der Sargstein liegt. Von diesem Raum führt ein durch den Felsen gebohrtes, etwa 4 Meter langes Rohr schräg hinunter und tritt in der Höhe des Sarges am Kopfende desselben wieder ins Freie. In der Grotte liegt die Öffnung neben dem Fenster im Fußboden, allerdings durch Zement verschlossen. Der Sargstein am Fuß des Grottenfelsens ist an allen Seiten bearbeitet. In seine Nordwestseite ist eine Art von Arcosolgrab mit einer menschenförmigen Aussparung für den aufzunehmenden Leib eingehauen. Auf der Höhe des Sargsteins ist ein kleines Podest ausgeschlagen, zu dem von zwei Seiten Treppenanlagen hinauf führen, die massiv beschädigt worden, deren Reste aber gut erkennbar sind. An der Außenwand der Höhle, direkt vor der Kuppelgrotte, ist das fünfeinhalb Meter hohe mittelalterliche Kreuzabnahmerelief an den Externsteinen eingeschlagen. Über der rechteckigen Tür sieht man eine Vertiefung, in der man die Hohlform eines Adlers hat sehen wollen. Auf der Rückseite des Felsens 1 ist auf halber Höhe über dem Wasser die Form eines Schiffchens zu sehen. (siehe Foto) Der Turmfels hat seinen Namen daher, dass er von Südwesten gesehen wie ein quadratischer Turm aussieht. In der Höhe ist ein Raum ausgeschlagen, dessen Längsachse ungefähr in Richtung Nordost verläuft, die sog. Höhenkammer. Die beiden Schmalseiten haben jeweils eine Nische erhalten. Diejenige im Südwesten ist rechteckig und wird von zwei Rundpfeilern flankiert. Die andere im Nordosten, in der ein Podest mit einem schlanken Ständer - eventuell einem Altar - ausgeschlagen ist, wird von einem Rundbogen überwölbt. Über dem „Ständer“ befindet sich ein rundes Fenster, das eine astronomische Ausrichtung hat, die sich datieren lassen soll.[17] Für ein weiteres Fenster ist die Nordwestwand zwei Meter tief durchbrochen worden, obwohl die Sonne nur kurze Zeit im Jahr durch dieses Fenster scheint. Am östlichen Ende der Nordwestwand befindet sich in Hüfthöhe ein ausdrucksvoller männlicher Kopf mit geöffnetem Mund. Die Decke der Höhenkammer ist gewaltsam abgesprengt worden. Auf dem schwer zugänglichen Gipfel, der den Raum noch teilweise überwölbt, befindet sich eine kleine Erhöhung, die Krone, in die eine runde Vertiefung unbekannten Zweckes eingeschlagen ist.[18] Zu Füßen des Turmfelsens steht auf der Nordostseite ein Podest, die sog. Kanzel. Reste von Treppenstufen ziehen sich um die Vorderseite und eine Längsseite. Auf der Oberseite ist eine Standfläche ausgearbeitet. Der Treppenfelsen (Nr. 3) bietet heute vor allem den Aufgang zur Höhenkammer des Turmfelsens, die man von ihm aus in luftiger Höhe über eine Holzbrücke erreicht. Auch hier gibt es Reste andersartiger älterer Treppenanlagen. Auf der Höhe des Felsens sind im Südwesten Reste einer Kammer vorhanden. Das auffälligste am Felsen 4 ist der Wackelstein auf seinem Gipfel. Er ruht auf drei Punkten, doch hat man ihn mit Metallbändern festgezurrt und den Raum um seinen Fuß einbetoniert. Der Wackelsteinfels (Felsen 4) ist von zwei senkrechten Klüften durchzogen, die auf der Vorder- und Rückseite hervortreten. Gemeinsam mit anderen hervortretenden Flächen fügen sie sich zu erkennbaren Gestalten zusammen, die erst in den Fünfziger Jahren von Fritz Schäfer entdeckt wurden. Sowohl auf der Vorder- wie auf der Rückseite sind Bearbeitungsspuren in großer Zahl vorhanden, die erkennen lassen, dass die natürlich vorhandenen Bildungen von Menschenhand in Richtung auf einen bestimmten Ausdruck ergänzt worden sind. Auf der Vorderseite sieht man eine große Figur, einen Mann mit ausgebreiteten Armen und schräg gehaltenem Kopf. Besonders auffällig ist hier ein Loch, das als Seitenwunde oberhalb der Mitte des schlanken Leibes zu sehen ist. An der Rückseite des Felsens fügen sich die natürlichen Klüfte und die durch Bearbeitung sichtbar gemachten Formen zu dem Profil eines Tierkopfes mit langem Hals zusammen.[19] Im unteren Bereich der Vorderseite ist zudem ein lippisches Wappen aus dem 16.-17. Jhdt. eingelassen. Auch der Felsen 5, der höchste der Hauptgruppe, weist am Gipfel eine Felsenfigur auf, die nur durch Bearbeitung sichtbar geworden ist. Von Nordosten aus sieht man einen großen Männerkopf, im Volksmund der Rufer genannt. Neben den von Walther Matthes beschriebenen Werkzeugspuren weisen die Helligkeit des Gesichtes, die durch das Hervortreten tieferer Gesteinspartien bewirkt ist, und die Unterbrechung der „Karrenrillen“, die oberhalb und unterhalb des Gesichtes zu sehen sind, auf die künstliche Schöpfung hin.[20] Viele weitere solche Gebilde sind an den Felsen zu sehen, die aber nicht wissenschaftlich untersucht worden sind und großenteils wohl nur in der Phantasie der Betrachter vorhanden sind. Bearbeiten GeschichteSeit der bis heute ältesten bekannten schriftlichen Erwähnung der Externsteine durch Hermann Hamelmann im Jahre 1564 galten die Felsen zumeist als ein germanisches Heiligtum, das durch Karl den Großen zerstört worden sei. Diese Interpretation erlebte einen ersten Höhepunkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, um sich dann in den 1920er Jahren bis 1945 erneut großer Popularität zu erfreuen. Insbesondere in der heimatkundlichen und esoterischen Literatur werden diese Ansätze bis heute immer wieder aufgegriffen, wobei die Interpretationen von Sternwarte bis hin zu Kultplatz reichen. Ausgrabungen erbrachten jedoch keinen eindeutigen Nachweis einer kultischen Nutzung in ur- oder frühgeschichtlicher Zeit, sondern deuten lediglich auf das frühe Hochmittelalter hin. Bearbeiten Ur- und FrühgeschichteGesichert sind aus dem direkten Umfeld der Felsen archäologische Funde aus der Altsteinzeit (um 10.000 v. Chr.) und Mittelsteinzeit, insbesondere Feuerstein-Spitzen und -Abschläge, die allerdings nur belegen können, dass die damaligen Menschen die Steingruppe aufgesucht haben, aus welchen Gründen ist den Relikten nicht zu entnehmen. Keine gesicherten Belege aus Funden gibt es hingegen für menschliche Nutzungen in der Jungsteinzeit, der Bronze- und der Eisenzeit. Der genaue Zeitpunkt für den Beginn der kultisch-spirituell-religiösen Nutzung der Externsteine durch Menschen konnte bisher nicht eindeutig bestimmt werden. Zuweilen wurde die Ansicht geäußert, dass zahlreiche Arbeiten an den Externsteinfelsen nur mit Steinwerkzeugen entstanden sein können, also aus der frühen Menschheitsgeschichte stammen könnten. Die meisten Wissenschaftler verweisen jedoch darauf, dass bei archäologischen Grabungen bisher keine nennenswerten Fundstücke aus Zeiten vor dem 10./11. Jahrhundert geborgen wurden, weshalb sie von einer intensiveren Nutzung durch den Menschen erst seit dieser Zeit ausgehen. Dagegen ergaben neuere Thermolumineszenz-Untersuchungen durch die Heidelberger Akademie der Wissenschaften eine letztmalige Nutzung einzelner Feuerstellen in den Grotten im ersten Drittel des 8. Jahrhunderts (735 +/- 180 Jahre). Auch haben Astronomen mehrfach auf eine vorchristliche Nutzung des Turmfelsens und anderer Partien der Externsteine zu Zwecken der Himmelsbeobachtung hingewiesen.[21] Interessant ist in diesem Zusammenhang die gut nachzuweisende bronzezeitliche Besiedlung der umgebenden Landschaft und die dort anzutreffenden Zeugnisse kultischer Nutzung, wie z.B. Monolithen, Hünengräber, Steinsetzungen (z.B. im Leistruper Wald bei Detmold), die sich oft auch in Achsverlängerung wichtiger Aussichtsplätze finden. In jüngster Zeit wurden der Hauptraum der Grotte und das Felsengrab neu vermessen und deren Grundrisse als trapezförmig erkannt. Die auftretenden Längen lassen sich in Einheiten von vor- und frühgeschichtlichen Maßen (Megalithisches Yard (Alexander Thom und Rolf Müller), Remen und Palma sowie mittelalterlichen (Toise) in kleinen ganzen Zahlen abmessen.[22] Bearbeiten Mittelalter
Das Kreuzabnahme-Relief an den Externsteinen; das gebeugte „Y“ rechts unter dem Kreuz wird oft als Irminsul gedeutet
Eine moderne Auswertung der archäologischen Funde, insbesondere der Keramik und der Metallgüter, erbrachte eine Datierung der Fundobjekte vom späten 10. bis ins 19. Jahrhundert. Die daraus abgeleitete mindestens zeitweilige Anwesenheit von Menschen an der Felsengruppe passt zu einer Abdinghofer Urkunde, nach der die Externsteine 1093 von dem Paderborner Kloster gekauft worden sein sollen.[23]
Das Arkosolium im Grabfelsen am Fuße des Felsens 1
Die Mönche umliegender Klöster waren möglicherweise auch die Ausgestalter architektonischer Arbeiten an den Externsteinen und in ihrem Umfeld, so z.B. des Felsengrabes (Arkosol) und der oberen Kapelle (Felsen 2), die trotz gravierender Unterschiede noch gelegentlich als Nachbauten der Grabheiligtümer von Jerusalem interpretiert werden. Die Höhlen in den Sandsteinfelsen wurden als Eremitage von den Mönchen genutzt. In der Hauptgrotte, manchmal auch untere Kapelle genannt, findet sich eine Weihinschrift mit der Jahreszahl 1115. Auch ihre Echtheit ist umstritten.[24] Das bekannte in den Grottenstein gemeißelte Kreuzabnahmerelief wird jedoch - ohne Abstützung auf die Inschrift - von der kunsthistorischen Forschung nach der fälligen Neubewertung in den Fünfziger Jahren, an der sich Otto Schmitt, Fritz Saxl und Otto Gaul beteiligten, in die Zeit zwischen 1130 und 1160 datiert.[25] Wobei auch abweichende Datierungen existieren, so zum Beispiel in die karolingische Zeit (815-22).[26] Dass das Relief erst im 16. Jahrhundert von Lucas Cranach d.Ä. geschaffen worden sei, ist angesichts seines Stils eher unwahrscheinlich. Es gilt als die älteste aus massivem Fels gehauene Steinmetzplastik nördlich der Alpen. Die seit der Mitte des 19.Jahrhunderts immer wieder behauptete hochmittelalterliche Nutzung der Felsen als Wallfahrtsort konnte nicht belegt werden.[27] In unmittelbarer Umgebung der Steine befinden sich heute auch noch mehrere Hohlwege, die oft fälschlich als Reste von „Römerwegen“ bezeichnet werden. Die Ursprünge dieser Relikte historischer Verkehrsbeziehungen liegen nicht bei den Römern. Einige Höhenfestungen in der Umgebung stammen aus der frühgermanischen oder späten Nutzung der keltischen Zeit (um 100 v. Chr.). Die jeweils eher geringe Ausprägung insbesondere bezüglich der Wegbreite lassen eine Nutzung mit größeren Fahrzeugen im mittelalterlichen überregionalen Wegenetz unwahrscheinlich erscheinen. Bearbeiten 17. bis 20. JahrhundertIm 17. Jahrhundert wurde unterhalb der Externsteine durch den Lippischen Landesherrn Graf Hermann Adolf zu Lippe-Detmold, der nach der Reformation Besitzer des Platzes wurde, ein festungsartiges Jagdschloss angelegt, das wohl auch der Kontrolle des Fernstraßenverkehrs diente, sonst jedoch nach kurzer Zeit fast ungenutzt blieb und daraufhin verfiel. Es wurde auf Anweisung der lippischen Fürstin Pauline um 1810 wieder abgerissen, und die Externsteine wurden wieder in ihren Ursprungszustand versetzt. Im Jahr 1813 wurde der an den Felsen verlaufende alte Fernweg zur Straße ausgebaut bzw. befestigt. Im Rahmen der Verkehrssicherung wurde auch der Wackelstein, der alten Geschichten zufolge auf Feinde des Ortes herunterstürzen soll, mit Eisenhaken befestigt.
Die Lage der Externsteine im Gelände mit dem Wiembecke-Kunstteich, um 1920
1836 wurde aus romantisch-landschaftsästhetischen Gründen der unterhalb der Felsengruppe fließende Bach Wiembecke zu einem Teich aufgestaut. Dieser künstliche Stauteich wurde später zur Zeit des Nationalsozialismus für Grabungszwecke und im Rahmen der Gestaltung des Areals abgelassen, nach 1945 aber wieder neu angelegt. 1881 und 1888 fanden die ersten archäologischen Grabungs-Kampagnen unter eher schlichten Bedingungen an den Externsteinen statt. Im Rückblick ist davon auszugehen, dass damals insgesamt mehr zerstört als entdeckt worden ist. Von 1912 bis 1935 verkehrte auf dem heutigen Wanderweg an den Externsteinen eine Überlandstraßenbahn der PESAG, die bei den Felsen eine Haltestelle hatte und von Paderborn über Horn nach Detmold führte. 1932 wurde die Straße durch die Felsen offiziell ein Stück der Reichsstraße 1. Im selben Jahr wurde eine archäologische Sondierungsgrabung durch einen Bodendenkmalpfleger im Auftrag des damaligen Freistaates Lippe vorgenommen. Bearbeiten Zeit des NationalsozialismusDas große Interesse der Nationalsozialisten an einer nachweisbar germanischen Kultstätte erklärt sich aus der Entwicklung der so genannten Völkischen Bewegung. Kernthese dieser sonst uneinheitlichen Bewegung war die Annahme einer germanischen bzw. nordischen Hochkultur vor den antiken Hochkulturen des Mittelmeerraums. Belege dafür glaubten völkische Laienforscher in Steinsetzungen der Megalithkultur sowie in der Kunst der Völkerwanderungszeit und der Wikinger gefunden zu haben.[28] So auch Wilhelm Teudt, der Mitte der 1920er Jahre in den Externsteinen den Standort des sächsischen Hauptheiligtums Irminsul entdeckt zu haben glaubte. Die Irminsul galt in völkischen und neuheidnischen Kreisen als Symbol des letzten Widerstandes der alten germanischen Religion, bevor sie von Karl dem Großen im Zuge der Christianisierung zerstört wurde. Teudt, Mitglied zahlreicher völkischer Organisationen und dann seit 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP, schlug den Nationalsozialisten nach deren Machtergreifung vor, die Externsteine in einen „Heiligen Hain“ zur Erinnerung an die Ahnen umzugestalten. Himmler mit seiner Vorliebe für alles vermeintlich Germanische griff die Idee auf und gründete 1933 die Externstein-Stiftung; er selbst war ihr Vorsitzender. 1934 und 1935 wurden unter Leitung des Münsteraner Geologen und aktiven NSDAP-Mitglieds Prof. Julius Andree mit Hilfe des Reichsarbeitsdienstes umfangreiche archäologische Ausgrabungen durchgeführt, deren Dokumentation seit 1945 aber nur noch unvollständig ist. Erklärtes Ziel der Grabungen war das Auffinden von Belegen für eine vorchristliche germanische Kultstätte an den Steinen. Diese Grabungen werden von der heutigen wissenschaftlichen Archäologie in der Regel als „initiierte archäologische Zweckforschung“ angesehen. Ein Teil der Keramik- und Metallfunde der beiden Grabungen wird heute im Lippischen Landesmuseum Detmold aufbewahrt. Grundsätzlich und vorwiegend beschäftigten sich in der Zeit des Nationalsozialismus zwei verschiedene Organisationen mit der „Externsteinforschung“: die SS-Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V. und das sog. Amt Rosenberg. Ab dem Straßenneubau 1936 verläuft die Reichsstraße 1, die spätere Bundesstraße 1 etwa einen Kilometer weiter südlich, in einem großen Bogen an den Externsteinen vorbei. 1940 wurde die ehemalige Reichsstraße für den öffentlichen Kraftfahrzeug-Verkehr gesperrt und das Gebiet zum reinen Erholungsgebiet erklärt. Bis 1941 verkehrten an sommerlichen Sonn- und Feiertagen noch Straßenbahnen im Pendelverkehr auf einer Stichstrecke nach Horn-Externsteine [29]. Bearbeiten Von 1945 bis heute1953 wurde der Externstein-Abschnitt der Straßenbahn-Strecke, die zuvor nur noch unregelmäßig und zu touristischen Zwecken befahren wurde, aufgegeben.[29] Bis heute sind an den Felsen Einbuchtungen und Metallreste der Anlagen zu sehen. Seit Ende der 90er Jahre gibt es im Rahmen des Stadtmarketings diverse Überlegungen (von einer sanften Vermarktung über esoterische Großveranstaltungen bis zum Musical-Bau) im Rat der Stadt Horn-Bad Meinberg,[30] den Platz an den Externsteinen zum Event-Ort auszubauen.[31] Diese Pläne wurden bislang aber nicht umgesetzt und wurden vor allem von Natur- und Denkmalschützern stark kritisiert. Bearbeiten TourismusZwischen einer halben und einer Million Menschen besuchen jährlich die Externsteine. Bereits 1958 galten sie mit rund 224.000 Personen zu den am häufigsten besuchten Naturschutzgebieten Westfalens.[2] Wanderer erreichen die von einer parkartigen Anlage umgebenen Externsteine von Norden her kommend über den Hermannsweg und von Süden her kommend über den Eggeweg, der wiederum Teil des europäischen Fernwanderweges E1 ist. In etwa 8 km Entfernung liegt das Hermannsdenkmal, das vergleichbar viele Besucher aus Nah und Fern anzieht. Einige der beeindruckenden Externsteine können bestiegen werden – abseits der Wege ist das Klettern und das Betreten der Felsköpfe jedoch zum Schutz der seltenen Vegetation grundsätzlich und teilweise deutlich beschildert untersagt. Die Spitzen der direkt am Teich gelegenen Felsen sind über aufwändig in den Fels geschlagene Treppenaufgänge sowie eine Brücke hoch oben im Fels erreichbar. Von dort bietet sich in nordöstlicher Richtung eine gute Aussicht, die bei geeignetem Wetter bis zum entfernten Köterberg reicht. In den anderen Himmelsrichtungen ist der Ausblick wegen ausgedehnter und höher gelegener Waldgebiete weitgehend nicht möglich. Tagsüber muss für den Aufgang zu beiden Felsen ein Eintrittsgeld bezahlt werden, außerhalb der Öffnungszeiten ist einer dieser Felsen jedoch kostenfrei und vollständig zugänglich. Mit dem Auto kann man bis zu einem gut ausgeschilderten Parkplatz kurz vor den Externsteinen fahren: Über die B 1 oder die B 239 und zum Schluss über kleinere Nebenstraßen sind die Externsteine einfach zu erreichen. Bearbeiten Esoterik
Zeltende Menschen an den Externsteinen zur Walpurgisnacht 2007, Blick von den Steinen auf die davor liegende Wiese
Von verschiedenen im weitesten Sinne esoterischen Gruppen werden die Externsteine als „Kraftort“ mit außergewöhnlichen geomantischen und spirituellen Eigenschaften angesehen. Speziell in der neuheidnischen Szene werden die Daten der ersten kultischen Nutzung als zu spät angezweifelt und lediglich die Übernahme einer älteren Kultstätte durch die Christen wird in Erwägung gezogen. Festivalartig finden in jedem Jahr zur Walpurgisnacht und Sommersonnenwende an den Externsteinen die deutschlandweit größten, informell organisierten Treffen vieler Gruppen und Einzelpersonen aus dem esoterischen Spektrum statt.[32] In kleinerem Rahmen finden Treffen auch an anderen Terminen statt. Bearbeiten Literatur
Siehe auch: Literaturhinweise zur Externsteine-Thematik Bearbeiten Einzelnachweise
Bearbeiten Weblinks
Koordinaten: 51° 52′ 8" n. Br., 8° 55′ 3" ö. L. |
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