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Koordinaten: 48° 09' 15" N 11° 35' 19" O
Die Allianz SE ist der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltgrößte[1] Versicherungskonzern und einer der größten Finanzdienstleistungskonzerne mit Sitz in München. Das Unternehmen ist im DAX an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet und erzielte im Jahr 2007 bei einem Gesamterlös von 102.598 Millionen Euro einen Nettogewinn von 7.966 Millionen Euro. Die Holding und ihre Tochtergesellschaften treten weltweit unter dem Namen Allianz Group auf. Vorstandsvorsitzender ist seit April 2003 Michael Diekmann.
Bearbeiten Geschäftstätigkeit [2]Die Allianzgruppe ist hauptsächlich im Versicherungsgeschäft tätig. So trug das Segment Schaden- und Unfallversicherung 2007 44,2 Mrd Euro Bruttobeiträge ein. Das Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen führte im selben Zeitraum zu Beitragseinnahmen von 49,3 Mrd Euro. Durch die Übernahme der Dresdner Bank wurde die Geschäftstätigkeit auf das Bankgeschäft ausgeweitet, was 2007 zu 5,7 Mrd operativen Erträgen daraus führte. Der kleinste Geschäftsbereich stellt das sogenannte Asset Management dar, welches unter Allianz Global Investors firmiert. Allianz Global Investors umfasst verschiedene Asset Manager, insbesondere Pimco (Anleihen) und RCM (Aktien). Dabei verwaltet der Allianzkonzern Vermögenswerte für Privatpersonen und institutionelle Anleger wie Pensions- und Investmentfonds sowie die eigenen Tochtergesellschaften im Versicherungsbereich. Dieses Geschäft brachte 2007 Erträge in Höhe von 3,2 Mrd Euro. Bearbeiten Geschichte1890 nahm die ein Jahr zuvor in München von Carl von Thieme und Wilhelm von Finck gegründete Allianz Versicherungs-AG in Berlin ihre Geschäftstätigkeit auf. Die Gesellschaft wurde in der Anfangszeit maßgeblich durch das Bankhaus Merck Finck & Co, die Dresdner Bank AG sowie der von Thieme und Finck zuvor gegründeten Münchener Rückversicherung finanziert. 1893 wurde in London die erste Auslandsfiliale eröffnet, 1895 wurden die Aktien des Unternehmens erstmals an der Berliner Börse gehandelt. 1906 bestand die Allianz ihre erste Belastungsprobe, als sie einen nicht unerheblichen Teil der Entschädigungen nach dem verheerenden Erdbeben in San Francisco zu leisten hatte. Als im April 1912 die Titanic sank, musste die Allianz ebenfalls hohe Entschädigungszahlungen leisten. 1922 wurde die Tochtergesellschaft Allianz Lebensversicherungs-AG gegründet. Während der in den 20er Jahren durch Deutschland rollenden Fusionswelle wurden mehrere Firmen (u. a. die Frankfurter Versicherungs-AG, Bayrische Versicherungsbank AG) von der Allianz aufgekauft, die aber teilweise ihren Namen behalten konnten und bis ins 21. Jahrhundert halbautonom am Markt agierten. 1932 startete die Allianz ihr Engagement in der Schadenforschung und eröffnete eine Materialprüfstelle zur Schadenforschung, aus der später das Allianz Zentrum für Technik (AZT) hervorging. Ziel war es, aus den Schadenereignissen gewonnene Erkenntnisse interessierten Unternehmen zur Schaden- und Risikominimierung zur Verfügung zu stellen. Von 1933 bis 1945 versicherte die Allianz auch Unterorganisationen der NSDAP und erschloss im Zuge der Ausbreitung des Deutschen Reiches neue Geschäftsfelder. Unter anderem wurde durch die Übernahme jüdischer Versicherungshäuser der Kundenstamm ausgeweitet. Darüber hinaus wurden Gebäude und Personal in Auschwitz und Dachau von der Allianz versichert. Die Allianz profitierte damit direkt von der Deportation. Henning Schulte-Noelle war der erste Vorstandsvorsitzende, der sich dieser Vergangenheit stellte, als er 1993 den Auftrag für den Aufbau eines firmenhistorischen Archivs gab, das 1996 eröffnet wurde. Im Juni 1997 nahm der Berkeley-Historiker Gerald D. Feldman den Auftrag der Allianz an, die Geschichte des Unternehmens von 1933 bis 1945 zu erforschen. Gemeinsam mit einer Gruppe junger Historiker begann Feldman 1998 mit seiner Forschung und veröffentlichte die Ergebnisse im September 2001. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde eine Dauerausstellung sowohl im firmenhistorischen Archiv als auch im Internet eingerichtet. 2008 entstand in den Vereinigten Staaten eine Debatte über die nationalsozialistische Vergangenheit der Allianz - im Zuge der Verhandlungen über die Vergabe der Namensrechte des Meadowlands-Stadions nahe New York, wurde die Allianz in führenden Zeitungen und der Anti-Defamation League heftig kritisiert. Nach dem Krieg und der Blockade Berlins 1949 wurden die Zentralen nach München (Allianz Versicherungs-AG) bzw. Stuttgart (Allianz Lebensversicherungs-AG) verlegt. Als einer der ersten Unternehmen in Deutschland führte die Allianz eine Elektronische Datenverarbeitung für Ihren Versichertenbestand ein. Dabei wurde ein Computer von IBM genutzt, der damals noch die Größe einer Maschinenhalle hatte. Die Daten mussten hierbei per Lochkarten von Dutzenden von „Locherinnen“ erfasst werden. 1958 führte der Konzern den bekannten Werbe-Slogan „... hoffentlich Allianz versichert“ ein, im darauf folgenden Jahr wurde das Auslandsgeschäft wieder aufgenommen. 1956 versuchte Merck Finck & Co seinen 40-prozentigen Anteil an der Allianz verdeckt zu erhöhen, gelangte allerdings nicht zum Ziel und veräußerte daraufhin bis 1990 den Anteil an der Versicherung vollständig. Ab diesem Zeitpunkt war die Münchener Rück, mit der neben der 25-prozentigen Überkreuzbeteiligung seit 1921 ein Rahmenvertrag über die Grundsätze der Zusammenarbeit bestand, der bestimmende Aktionär der Allianz. Ab den 1970er Jahren wurde die Allianz durch Aufkäufe und Gesellschaftsgründungen zu einem immer stärker im Ausland agierenden Unternehmen. Es folgten die Übernahmen traditionsreicher Versicherer in Frankreich (AGF), Italien (RAS) und den USA (Firemans Fund). 1985 wurde die Allianz AG Holding zur besseren Steuerung der Beteiligungen gegründet, 1990 übernahm die Allianz die Staatliche Versicherung der DDR. Die Expansion in den Ostteil Europas begann mit der Eröffnung einer Niederlassung in Ungarn. In sieben weiteren Ländern von Mittel- und Osteuropa wurden Niederlassungen eröffnet. 1997 übernahm die Allianz 51 % des Aktienkapitals der zweitgrößten französischen Versicherung, Assurances Générales de France (AGF) im Wert von 9,2 Milliarden DM. Die Allianz stieg damit zum weltgrößten Versicherungskonzern auf. 1999 begann, vor allem durch den Kauf der südkoreanischen First Life Insurance Co. Ltd. die Expansion nach Asien. Die Übernahme der Dresdner Bank (2001), zusammen mit Naturkatastrophen in Mitteleuropa, dem Anschlag auf das World Trade Center und der Krise in den internationalen Finanzmärkten, bescherten der Allianz im Jahr 2002, zum ersten Mal in der Firmengeschichte, ein negatives Ergebnis. Die Allianz AG machte einen Verlust von ungefähr 1,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig reduzierte die Münchener Rück ihren Anteil an der Allianz auf 20 %. 2002 ging die Vereinte Versicherungsgruppe komplett in der Allianz auf; aus der Krankenversicherungssparte wurde die Allianz Private Krankenversicherungs-AG gebildet. Nachdem Allianz und Münchener Rück 2003 auch ihren Rahmenvertrag offiziell kündigten und ihren gegenseitigen Anteil weiter reduzierten (2005 hält die Münchener Rück noch 4,9 % an der Allianz), wurde eine weitgehende Entflechtung der deutschen Versicherungswirtschaft erreicht. Im Mai 2002 wurde die Allianz Autowelt GmbH gegründet, eine Gebrauchtwagenbörse mit zirka 1,6 Millionen Fahrzeugen im Bestand. Neben Autokauf und -verkauf werden zusätzliche Dienste wie Fahrzeugbewertung, Fahrberichte und Routenplaner angeboten. Mitte September 2005 gründete die Allianz den Direktversicherer Allianz 24, der vorerst (Stand: September 2007) ausschließlich Autoversicherungen über das Internet anbietet. Formal gesehen handelt es sich bei dieser Tochtermarke um die „Vereinte Spezial Versicherung AG“, eine Allianz-Tochtergesellschaft. Anfang 2006 wurden die drei deutschen Versicherungsgesellschaften der Allianz, die Allianz Versicherung, die Allianz Lebensversicherung und die Allianz Private Krankenversicherung, der als Holding fungierenden und zu diesem Zweck neugegründeten Allianz Deutschland AG (ADAG) unterstellt. Die jeweiligen Vertriebe wurden in der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV) gebündelt.[3] Am 13. Oktober 2006 wurde die Fusion mit der italienischen RAS und die gleichzeitige Umwandlung der Allianz AG in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) mit Eintragung des neuen Unternehmensnamens Allianz SE in das Handelsregister München rechtskräftig.[4] Im Mai 2007 übernahm die Allianz die Verkaufsautomaten-Firma Selecta vom britischen Catering-Anbieter Compass Group für einen Preis von rund 1,1 Milliarden Euro.[5] Am 31. August 2008 gaben die Allianz SE und die Commerzbank bekannt, dass sich die Aufsichtsräte beider Unternehmen auf den Verkauf der Dresdner Bank AG an die Commerzbank für insgesamt 9,8 Milliarden Euro geeinigt haben. Der Verkauf soll in zwei Schritten erfolgen und spätestens Ende 2009 abgeschlossen sein; für weitere Details siehe den Artikel Dresdner Bank. Bearbeiten Umbauprogramm „3+Eins“Im „3+Eins“-Programm, welches 2003 beschlossen wurde, wurden mehrere Initiativen ergriffen, um den Wert der Allianz SE zu steigern. Die einzelnen Ziele dieses Programms sind:
Im Rahmen des „3+Eins“-Programms wurden beispielsweise folgende Maßnahmen durchgeführt:
Bearbeiten KritikAm 22. Juni 2006 kündigte der Allianz Konzern darüber hinaus an, bis 2008 mit rund 7.500 Stellen in Deutschland etwa jede sechste Vollzeitstelle zu streichen, davon ca. 2.500 Stellen bei der Dresdner Bank. Die Mitarbeiter erhalten hierbei allerdings die Chance, in andere Unternehmensbereiche zu wechseln, in denen demnächst durch normale Fluktuation ca. 3.000 Stellen frei werden. Es sind darüber hinaus noch Abfindungen von bis zu 250.000 Euro geplant. Die Zahl der Dienstleistungs-Standorte soll von 21 auf zehn reduziert werden. Unter anderem ist geplant, alle Standorte in Nordrhein-Westfalen zu schließen und den Standort Frankfurt auf ein Kompetenzzentrum für Kfz zu begrenzen. In der Öffentlichkeit wurden diese Maßnahmen vielfach mit Verweis auf den Rekordgewinn von 4,4 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2005 als unverhältnismäßig kritisiert. Der Betriebsrat lässt die Stellenstreichungen durch externe Gutachter prüfen. Am 20. November 2006 ruderte der Konzern zurück und gab nach Verhandlungen mit der Gewerkschaft Ver.di bekannt, dass auf betriebsbedingte Kündigungen (nicht aber auf die Umbesetzung vorhandenen Arbeitsplätze) bis 2009 verzichtet wird. [6] Nach neuen Einschätzungen werden wohl, aller Voraussicht nach, keine betriebsbedingten Kündigungen mehr nötig sein. Die Belegschaft hat sich durch selbstständige Kündigungen der Mitarbeiter verschlankt. Bearbeiten Konzernbeteiligungen der Allianz SE
Altes Allianz-Logo an der Hamburger Trostbrücke
Bearbeiten Operative Konzernbeteiligungen Inland
Bearbeiten Operative Konzernbeteiligungen Ausland
Bearbeiten Strategische Konzernbeteiligungen
Im Zuge der Entflechtung der sogenannten Deutschland AG, deren Mittelpunkt die Allianz AG darstellte, senkt die Allianz SE nach und nach ihre Industriebeteiligungen im Inland. Trotz allem besitzt die Allianz SE noch immer bedeutende Aktienanteile an einigen der größten deutschen Unternehmen. Im April 2007 gab ein Allianzsprecher bekannt, dass Gespräche mit dem russischen Finanzkonzern Progress-Garant geführt werden. Im Gespräch ist eine Übernahme für einen Preis von 100 Mio. Dollar (rund 74 Mio. Euro). Progress-Garant ist der 25. größte russische Versicherer. [10] Bearbeiten AktiengesellschaftDie Aktien des Unternehmens sind sowohl an der Deutschen Börse (unter dem Kürzel ALV – WKN 840400) als auch an internationalen Börsen (ISIN DE0008404005) notiert. Außerdem sind die Werte im DAX enthalten. Es sind 432 Millionen Aktien im Umlauf. Bearbeiten Anteilseigner
Stand: Dez 2006 [2] Bearbeiten LeitungVorstandsvorsitzender ist seit dem 29. April 2003 Michael Diekmann; ebenfalls seit dem 29. April 2003 ist Henning Schulte-Noelle Aufsichtsratsvorsitzender. Seit 2005 werden alljährlich die Bezüge des Vorstandes und des Aufsichtsrates individuell ausgewiesen und zusammen mit dem Geschäftsbericht veröffentlicht. Bearbeiten Generaldirektoren / Vorstandsvorsitzende
Bearbeiten Siehe auchBearbeiten Literatur
Bearbeiten WeblinksBearbeiten Einzelnachweise
Unternehmen im DAX (Stand: 22. September 2008)
Adidas | Allianz | BASF | Bayer | BMW | Commerzbank | Continental | Daimler | Deutsche Bank | Deutsche Börse | Lufthansa | Deutsche Post | Deutsche Postbank | Deutsche Telekom | E.ON | Fresenius Medical Care | Henkel | Hypo Real Estate | Infineon | K+S | Linde | MAN | Merck | Metro | Münchener Rück | RWE | SAP | Siemens | ThyssenKrupp | Volkswagen |
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